Immer geht es - angeblich - um die Verbreitung der demokratischen Idee. Aber meistens geht es schief. Seit dem Jahr 1893, als amerikanische Plantagenbesitzer mit Hilfe der amerikanischen Regierung in Washington die hawaiianische Monarchie stürzten, haben die Vereinigten Staaten dreizehn ausländische Regierungen aus ideologischen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen blutig zu Fall gebracht. Geheimdienste, Waffenhändler und bisweilen auch amerikanische Streitkräfte waren daran beteiligt, den Machtanspruch der Vereinigten Staaten global auszuweiten. Dabei machte sich das schlechte Gewissen der ältesten Republik der Welt stets bemerkbar.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.03.2008
Die Eleganz und Lesbarkeit, mit der der New-York-Times-Journalist Stephen Kinzer in "Putsch!" die Geschichte der durch die USA erzwungenen Regimewechsel in anderen Staaten nachzeichnet, hat den Rezensenten Daniel Haufler beeindruckt. Zustimmend referiert er, dass Kinzer diese Geschichte in drei Phasen einteilt: Einer ersten imperialistische Phase (von 1893 bis 1909) folgte nach 1945 eine Phase der Geheimoperationen, bis seit den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wieder eine Phase der offenen Intervention folgte. Gerade die Darlegung der ersten Regimewechsel lobt Haufler als detaillierte, präzise belegte Schilderung der Ursprünge moderner amerikanischer Außenpolitik. Ebenso überzeugt ihn Kinzers Analyse, dass die erzwungenen Regimewechsel den USA auf lange Sicht zumeist mehr geschadet als genutzt haben. Wegen der eleganten Darstellung vor allem der einzelnen Ereignisse in den betroffenen Ländern und der Hintergründe in Washington ist dem Rezensenten beim Lesen keinerlei Langeweile aufgekommen. Die Qualität der Recherche überhebt den Autor zudem jeglichen Verdachts, ein Verschwörungstheoretiker zu sein, lobt Haufler.
Einigermaßen erschüttert hat dieses "schonungslos offene" Buch über amerikanische Putschbeihilfen seit 1893 Rezensent Thomas Speckmann hinterlassen. Wäre der gefeierte Journalist und Pulitzerpreisträger kein Amerikaner, mutmaßt Speckmann schlau, hätte man ihm hierzulande gewiss Antiamerikanismus vorgeworfen. Stephen Kinzer liste in seinem Buch akribisch alle vierzehn Fälle seit der Mitwirkung der Amerikaner am Austausch der Regierung auf Hawai 1983 bis zum Irak des Jahres 2003 auf, um die Geschichte us-gelenkter Umstürze in drei Phasen zu unterteilen. Unter Phase eins subsumiere Kinzer offen imperialistische Eingriffe, unter Phase zwei die der verkomplizierten Lage im Kalten Krieg Rechnung tragende Methode des "heimlichen Staatsstreichs", beispielsweise 1973 in Chile. Unter Phase drei schließlich kategorisiere Kinzer offene Interventionen wie den Irak-Krieg, deren zurückgekehrte Ungeschminktheit er den geschwundenen Rücksichten nach dem Zusammenbruch der UdSSR zuschreibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2007
Überzeugend findet Rezensent Stefan Brocza dieses Buch über "Regimewechsel made in USA" von Stephen Kinzer. Er bescheinigt dem langjährigen Reporter der New York Times, einen instruktiven Blick auf die vierzehn Staatstreiche zu werfen, die in den letzten 110 Jahren von den USA aus verschiedenen ideologischen, politischen und ökonomischen Gründen initiiert wurden. Im Zentrum sieht Brocza zwei leitende Fragen: Warum diese Staatstreiche? Und welche Folgen hatten sie auf lange Sicht? Er rekapituliert unterschiedliche Formen und Strategien der Staatsstreiche und deren fast immer fatale Folgen für die betroffenen Länder. Deutlich wird für ihn schließlich, dass historisch gesehen die USA mit diesen Putschen letztlich die Unsicherheit für ihr eigenes Land und die Welt vergrößert haben.
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