Stewart O′Nan

Abendlied

Roman
Cover: Abendlied
Rowohlt Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783498007874
Gebunden, 352 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Gunkel. Vier ältere Frauen in Pittsburgh, die zusammenhalten und sich vom Alter nicht unterkriegen lassen: Emily, Krimileserin und Hundeliebhaberin, Arlene, seit Langem pensionierte Lehrerin, die von ihrem Gedächtnis im Stich gelassen wird, Kitzi, die sich allzu gerne für andere aufopfert, und schließlich Susie, mit 63 die Jüngste der vier, die nach ihrer Scheidung langsam den Weg zurück ins Leben und sogar eine neue, aufregende Liebe findet. Die vier kennen sich aus dem Chor und treffen sich zum Bridge, vor allem aber betreiben sie den Humpty Dumpty Club, eine Selbsthilfeorganisation von und für alte Frauen. Gemeinsam navigieren sie familiäre Katastrophen, organisieren Krankenhausbesuche, besuchen Konzerte und halten trotz aller Differenzen zusammen. Und keiner weiß besser als Emily, Arlene, Kitzi und Susie, wie man eine Beerdigung organisiert. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.02.2026

Rezensent Thomas Steinfeld findet diesen Roman höchst "erbaulich": Eine ältere Frau fällt die Treppe herunter und kommt ins Krankenhaus, wo sie von ihrem "Humpty Dumpty Club", einer kirchlichen Kleingruppe älterer Frauen, besucht und gepflegt wird. Aus dieser Grundsituation spinnt der Autor bewusst unspektakuläre Begebenheiten, darunter mehrere Tode, an die die Gruppe mit ihrem Durchschnittsalter von achtzig Jahren gewohnt ist, die Corona-Pandemie und ein konfliktloses Weihnachten, erfahren wir. Angetan ist Steinfeld dabei von dem Gespür für alltägliche Nuancen, das der Autor besitzt, es ist ein schnörkelloses, präzises Einfangen von nur scheinbar banalen Begebenheiten. Das nahende Ende jedes Lebens, inklusive Gedächtnisausfällen, wird ebenso genau und ungeschönt behandelt - für den Kritiker eine höchst "erbauliche" Alltagspoesie. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.01.2026

Für Rezensent Nico Bleutge ist Stewart O'Nan der "große Vergänglichkeitskünstler" in der amerikanischen Literatur: In diesem neuen Roman gründen einige ältere Frauen eine Selbsthilfegruppe, um mit dem Altern klarzukommen. Emilys Probleme mit Schlaflosigkeit, die von der herbstlichen Zeitumstellung verschlimmert werden, sind Metapher für die Veränderungen im Alter, lernen wir, auch die beginnende Demenz von Arlene und Susies Online-Dating-Versuche spielen eine Rolle. Für O'Nan sind vor allem die kleinen Leute wichtig, so Bleutge, der diese "sozialen Portraits des US-amerikanischen Ostens" durchaus gerne liest. Er freut sich über einen atmosphärischen Text, geschrieben in einem "wahrnehmungsdichten Realismus", den Thomas Gunkel gut übersetzt hat. Aber auch der zeitgeschichtliche Hintergrund schwingt immer mit: sowohl Corona-Pandemie als auch beginnender Trumpismus fließen in die Geschichte mit ein, schließt der Kritiker.  

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