Susanne Gregor

Das letzte rote Jahr

Roman
Cover: Das letzte rote Jahr
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2019
ISBN 9783627002633
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Miša, Rita und Slavka sind Freundinnen, seit sie denken können. Sie alle wohnen in einem Haus in der Stadt Žilina: die Ich-Erzählerin Miša, 14 Jahre alt, zusammen mit ihrem älteren Bruder Alan und ihren Eltern, die gleichaltrige Rita in der Wohnung darüber, Slavka in der Wohnung darunter. Sie vertrauen sich Geheimnisse an, sprechen über ihre ersten Liebschaften. Dabei könnten sie unterschiedlicher kaum sein: Rita ist überzeugte Pionierin, umso unerhörter erscheint es den Freundinnen, dass gerade Ritas Eltern hinter vorgehaltener Hand über eine Flucht nach Österreich sprechen. Rita ist empört, sie will nicht enden wie Slavka, deren Vater sich bereits vor zehn Jahren nach Schweden abgesetzt hat. Slavka interessiert sich wenig für Politik, dafür umso mehr für den neuen Geschichtslehrer, Genosse Baník, und für die Gymnastik, ihre große Leidenschaft. Miša ist die Sensibelste der drei, ihre erste und (vorerst) einzige Liebe gilt der Literatur, was so recht niemand nachvollziehen kann, am wenigsten ihr Vater. Miša bewundert ihre Freundinnen, Rita für ihre Willenskraft, Slavka für ihre Disziplin, sie hat das Gefühl, das Leben würde immer so weitergehen - das Gegenteil ist der Fall: Denn wir schreiben das Jahr 1989, und nichts wird mehr so sein, wie es einmal war. Drei Freundinnen und ihre Familien erleben das Jahr vor dem Untergang des sozialistischen Regimes in der Slowakei: Opportunismus oder Rebellion, Anpassung oder Auflehnung - die Mädchen an der Schwelle zum Erwachsensein, aber auch die Eltern, begegnen dem sinkenden Stern des Sozialismus jeder auf seine Weise.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2020

Rezensent Martin Lhotzky blickt nach der Lektüre von Susanne Gregors Roman mit anderen Augen auf die Ereignisse um die Öffnung der Grenzen zwischen Österreich und Ungarn vor 30 Jahren . Die laut Lhotzky mutmaßlich autobiografisch inspirierte Geschichte um drei Freundinnen in einer Mietshausanlage in der Tschechoslowakei in Zeiten des gesellschaftlichen und politischen Umbruchs erzählt ihm die Autorin mit Sinn für Typen und unterschiedliche Milieus, nüchtern und glaubhaft. Ein beeindruckender Roman, findet der Rezensent.
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