Susanne Heim (Hg.)

Autarkie und Ostexpansion

Pflanzenzucht und Agrarforschung im Nationalsozialismus
Cover: Autarkie und Ostexpansion
Wallstein Verlag, Göttingen 2002
ISBN 9783892444961
Broschiert, 306 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Die bislang wenig erforschte Geschichte der Pflanzenzucht sowie der Spitzenforschungsinstitute der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft sind Themen des vorliegenden Bandes. Dabei werden folgende Schwerpunkte gesetzt: die Entstehung der Pflanzenzüchtung als akademische Disziplin seit 1870; die staatliche Regulierung der Agrarforschung und des Saatgutsektors in Deutschland sowie in der Sowjetunion und den USA der 1930er Jahre; die Wechselbeziehung zwischen Humangenetik und Pflanzengenetik in der wissenschaftlichen Diskussion im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.08.2002

Als sehr lesenwert empfiehlt Hans-Jörg Küster den von Susanne Heim herausgegebenen Sammelband über die Entwicklung von Genetik und Pflanzenzüchtung unter den Nationalsozialisten. Besonders Naturwissenschaftlern legt er die Lektüre ans Herz, denn in "Autarkie und Ostexpansion" werde in beklemmender Weise deutlich, "wie Abhängigkeiten zwischen Wissenschaft und Förderinstitutionen missbraucht werden können". Die Nationalsozialisten strebten ein autarkes Deutschland an, Nahrungsmittel und Rohstoffe durften nicht knapp werden, wenn Deutschland wieder einen Krieg führen wollte. Dafür wurden, wie die an dem Band beteiligten Historiker laut Küster darstellen, die Genetik und Pflanzenzucht verstärkt gefördert, in Polen deutsche Bauern angesiedelt, in den besetzten Gebieten genetische Sammlungen geraubt. Und die Wissenschaftler nutzten ihre neuen Möglichkeiten kräftig aus. Rezensent Küster vermisst allerdings einen Beitrag darüber, welche Rolle die damalige Forschung heute eigentlich spielt, welche Karrieren weitergingen, welche Arbeiten noch immer anerkannt sind, etc.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.07.2002

Als einen "hervorragenden Band" würdigt Rezensent Helmut Höge den von der Genetik- und Faschismusforscherin Susanne Heim herausgegebenen Band "Autarkie und Ostexpansion", der eine Reihe von Beiträgen zur Pflanzenzucht und der Agrarforschung im Nationalsozialismus versammelt. Angesichts der bevorstehenden Osterweiterung hatte die NS-Agrarforschung schon früh eine politische Dimension, weiß Höge. In diesem Zusammenhang hebt er die Beiträge von Jonathan Harwood und Thomas Wieland hervor, die sich mit der Saatgutverbesserung im Zeichen der Ostexpansion beschäftigen (Harwood) bzw. nach den Ursachen für die auffallende Bereitschaft der Pflanzenzüchter fragen, sich für nationalsozialistische Ziele instrumentalisieren zu lassen (Wieland). Michael Flitner ordnet in seinem Beitrag den damaligen "Genetischen Diskurs" international ein, wobei er zeigen kann, dass sich in Deutschland eine "zunehmende Affinität zwischen Nationalsozialismus und Eugenik bzw. Rassenhygiene" ausgebildete, während man in den USA ab Ende der zwanziger Jahre mehr und mehr von der Eugenik abrückte, und in der UdSSR mit der Genetik auch gleich die gesamte Biologie verworfen wurde, berichtet Höge.

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