Unsere Erinnerungskultur muss sich verändern. Wie und warum, legt Susanne Siegert in diesem Buch dar. Sie plädiert für eine pluralistische, neue Gedenkarbeit mit einem Schwerpunkt auf der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration anstelle unserer "einstudierten" gemeinsamen Rückschau mit den Opfern. Es geht um weniger bekannte NS-Verbrechen, um weniger bekannte Orte, um bisher vernachlässigte Opfergruppen. Gleichzeitig zeigt dieses Buch, wie wichtig eine aktivere, vielfältigere Gedenkkultur ist, um künftige Generationen auch ohne direkte Zeitzeugenberichte zu erreichen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.01.2026
Rezensent Thomas Radlmaier empfiehlt Susanne Siegerts Buch als Chance, dem ritualisierten Erinnern an die Shoah zu entkommen. Den Vorschlag der Autorin, sich auch mit den Tätern, Mitläufern und Nichtssagern zu befassen und ihre Lebensgeschichte vorzustellen, um zu verstehen, findet Radlmaier sinnvoll, wenngleich unbequem. Das Ziel ist für die Autorin, eine Gedenkarbeit statt einer Gedenkkultur zu etablieren, erklärt Radlmaier. Den Weg dahin beschreibt Siegert laut Radlmaier in ihrem Buch, indem sie neben anderen Beispielen auch ihre eigene Biografie reflektiert und Tipps gibt, wie der Leser aktiv werden kann.
Wichtige Anregungen zu einer neuen Erinnerungskultur liefert die Journalistin Susanne Siegert mit diesem Band der Rezensentin Sabine Seifert. Wobei Siegert lieber "Gedenkkultur" als "Erinnerungskultur" schreibt, insgesamt wendet sie sich gegen ein in Ritualen erstarrtes Erinnern. In Deutschland ist die Geschichte der Opfer gut aufgearbeitet, findet Siegert, zum Beispiel von Gedenkstätten. Was hinzukommen muss, ist eine Auseinandersetzung mit den Tätern, die oft in der eigenen Familiengeschichte zu finden sind. "Geschichte von unten" ist, was sie im Sinn hat. Seifert kann mit diesem Ansatz einiges anfangen, vor allem mit Blick auf jüngere Menschen.
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