Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah galt lange als bundesdeutsche Erfolgsgeschichte. Dieses Image beginnt mit der zunehmenden Rechtsradikalisierung in Politik und Gesellschaft mehr und mehr zu bröckeln. Das vorliegende Buch zeigt, dass in diesem bundesdeutschen Selbstbild immer schon die Geschichte der Schuld- und Erinnerungsabwehr, der Täter-Opfer-Umkehr, der Selbststilisierung als Opfer und der antisemitischen Projektion ausgeblendet wurde. Eine (selbst-)kritische Aufarbeitung der Vergangenheit hat auch 75 Jahre nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus auf gesellschaftlicher Ebene kaum stattgefunden: durch die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern manifestiert sich vielmehr ein Selbstbild, das um den Mythos kollektiver Unschuld kreist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2020
Johanna Christner erkennt in Samuel Salzborns Buch eine dringend notwendige Warnung, auch wenn der Autor es mitunter an Tiefe mangeln lässt. Über Geschichtsvergessenheit, Opfermythen und wiedererstarkenden Antisemitismus schreibt der Politikwissenschaftler laut Christner unter Verweis auf filmisches Quellen, Gedenkkultur und empirische Studien. Auch wenn all das nicht neu ist, meint Christner, aktuelle und weiterhin dringlich ist es leider sehr wohl.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.03.2020
Rezensent Carsten Hueck wünscht dem Buch des Politikwissenschaftlers Samuel Salzborn viele Leser. Die müssen sich allerdings damit arrangieren, meint er, dass der Autor vorwiegend Bekanntes berichtet, einen Haufen eigener Schriften zitiert und zu lange Sätze baut. Als Belohnung winkt laut Hueck ein Essay, der sich der Frage widmet, wieso völkisches Denken und Antisemitismus zurück sind, und der darauf eine durchaus brisante Antwort hat: Beides war nie wirklich weg, Heimatidyllisierung und Täter-Opfer-Verdrehung fand und findet weiterhin statt, zur Not verkleidet als Israelkritik.
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