Literarische Beschreibungen des 'Orients' erleben im Frankreich des 19. Jahrhunderts eine Blütezeit. Sie korrespondieren mit dem Wandel von Medium und Visualität. In Texten Nervals, Gautiers, Flauberts und Maupassants bis hin zu Loti artikulieren sich Verhältnisse zum 'Anderen' auch als räumliche Bewegungen des Blicks. Anhand typischer Konstellationen - Schleier, Monstrosität und Rausch - entwirft die Studie eine Phänomenologie literarischer Orientalismen. Die interdisziplinäre Verschränkung mit postkolonialen Fragestellungen positioniert Edward Saids Orientalismus-These im erweiterten Spannungsfeld einer transkulturellen Topografie des Blicks.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2005
Da stöhnt aber eine: Franziska Meier wundert oder vielmehr ärgert sich, "wie ergeben" die zweite Literaturwissenschaftlergeneration den polemischen Positionen Edward Saids folgt, der den Europäern in Hinsicht auf die arabische Welt imperialistische Projektionen unterstellte. Hat nicht Said seine Positionen mittlerweile teilweise revidiert, fragt Meier. Und warum sich dann Susanne Stemmler, Angehörige jener zweiten Literaturwissenschaftlergeneration, positiv auf solche Autoren (Flaubert, Nerval und Gautier) bezieht, die doch Said als "Orientalisierer des Orients" abgemahnt hatte, will ihr auch nicht einleuchten. Nein, Franziska Meiers Begeisterung hält sich stark in Grenzen, zumal sie sich durch einen insgesamt eher verquasten Theorieteil kämpfen musste, in dem der übliche Mix aus Derrida, Lacan und Merleau-Ponty mit Said & Co vermengt wurde. Da geht es ums "Sehen", um den "Blick", um "Schleier" und "Entschleierung" und den Orient "als Narration der Leerstelle", führt Meier aus und konstatiert, dass man auf neue Erkenntisse über die Wahrnehmung des Orients bei den untersuchten Autoren vergebens warte.
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