Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783737102537 Gebunden, 240 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Gut kannte sie ihren Vater nicht, die Familie ging früh auseinander. Trotzdem, sein unerwarteter Tod ist ein Schlag für Martina, Mitte dreißig, die arbeitslos durch ein unstetes Berliner Leben trudelt. Also geht sie erst mal so in die Situation, wie es ihr am liebsten ist: sich in langen Nächten mit vielen Gläsern den Ernst des Lebens ein bisschen schöner zu machen - oder sich ihm gerade damit zu stellen? In der Eckkneipe begegnet sie Helden der Nacht, Philosophen, sucht eine stärkende Familie, ein Zuhause. Anderen geht es ja nicht besser, weder dem Jungwitwer Eckhard aus der Kneipe noch den übrigen Weltweisen, die im Spiel des Lebens verloren haben, aber doch auch gewonnen, weil sie trotzdem weitermachen. Wie konnte das alles eigentlich so weit kommen, fragt sich Martina. Mit dem Vater, der verkorksten Familie? Mit ihr selbst? Und wagt sich dabei immer weiter, in eine Zone voller Dunkelheit und Staunen, Schmerz und Wunder, in der sie vielleicht endlich der Wahrheit begegnet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2026
Der Tod der eigenen Eltern ist wohl für jeden ein eindringlicher Wendepunkt, vielleicht noch mehr für diejenigen, die ihre Eltern gar nicht richtig kannten, denkt Rezensentin Anna-Louisa Schönfeld nach der Lektüre von Svenja Liesaus Debüt, deren Protagonistin Martina nach dem Tod des Vaters in einer psychischen Krise und in etlichen Kneipen versackt. Dem Text voran hat sie eine Liste mit 120 Songs gestellt, die Schönfeld in Stimmung bringen für den "Rausch", den der Roman für sie bereithält. Dessen Stil findet sie originell, rau und pointiert: Liesau schreibt sehr direkt, die Spannung ergibt sich dabei nicht aus der Handlung, sondern aus den ehrlich chaotischen Gefühlen Martinas. Auch die inklusive Sprache, die die Autorin mit Ausdrücken wie "jemensch" wählt, gefällt der Kritikerin und passt ihr zufolge zu der Figur, die ebenso offen und vorurteilsfrei ist. Eine intensive Lektüreerfahrung, resümiert sie.
Rezensent Tobias Lehmkuhl schwirrt der Kopf von all den originellen Ideen und all dem Alkohol, der in Svenja Liesaus literarischen Tour durch Berliner Eckkneipen getrunken wird. Protagonistin und Ich-Erzählerin Martina hat einen witzigen Einfall nach dem anderen und gleichzeitig ein Alkoholproblem, lesen wir. Das kommt von ihrer schwierigen Kindheit und dem kürzlichen Tod des Vaters, den sie nun schreibend zu verarbeiten sucht. Dabei bricht sich allerlei Wut, Trauer und Enttäuschung Bahn, SMS werden ins Jenseits geschickt, so Lehmkuhl. "Rasant und pointensicher" erzählt die Autorin, der man ihre Herkunft vom Theater aufgrund der "Hingabe zum Text" und der "exzessiven Verausgabung" deutlich anmerkt, von einem Schlingern in den psychischen Abgrund: das ist traurig, witzig und für den Rezensenten durchaus überzeugend.
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