Tamara Domentat

Lass dich verwöhnen

Prostitution in Deutschland
Cover: Lass dich verwöhnen
Aufbau Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783351025502
Gebunden, 335 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Mit Prostitution werden in Deutschland jährlich Millionen von Euro umgesetzt. Etwa 400.000 Frauen, so szeneinterne Studien, gehen hierzulande der Prostitution nach. Reeperbahn, Straßenstrich, Kinderprostitution - das sind die Schlagwörter, die die Diskussion um das 'älteste Gewerbe der Welt' beherrschen. Tamara Domentat widerlegt gängige Klischees. Sie wagt erstmals eine umfassende Darstellung des Themas, das in den Medien ständig präsent ist und doch meist nur auf voyeuristischem Niveau abgehandelt wird. Die Autorin demontiert zudem den verbreiteten Mythos, Prostitution würde ausschließlich auf Ausbeutung und von Männern diktierten Machtverhältnissen basieren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Tamara Domentats Buch bringt "frischen Wind" in die "Sperrbezirke des normalen Denkens", findet Eugenie Bott, dorthinein, wo die deprimierenden Bilder der Prostitution aufbewahrt werden: Opfer, Gestrandete, Drogensüchtige, Sklavinnen - "Elendsschicksale". Natürlich gebe es solche, doch Prostituierte, stelle Domentat klar, "sind keine homogene Gruppe". Viele von ihnen haben Beruf oder Uniabschluss und wählen sich diese Tätigkeit zeitweise oder für immer, auf jeden Fall aber frei. Das bedeutet auch: "Feministisch inspiriertes Bewusstsein und prostituiver Sex sind keine unversöhnlichen Gegensätze." Und dem entsprechend, so Domentats Forderung, soll ihre Berufswahl gesellschaftlich akzeptiert werden. Und Bott stimmt ihr zu, wohl wissend, dass Domentat "offensichtlich benachteiligte Gruppen" ausgeklammert hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.05.2003

Das ist eine Rezension, die mit mehr Fragen als Informationen aufwartet. Annette Mentrup bespricht eine Studie - mit wissenschaftlichem Anspruch, wie man nebenbei erfährt - , die sich umfassend mit den hartnäckigen Vorurteilen gegenüber Prostitution auseinandersetzt. Dafür hat die Autorin Prostituierte und ihre Kunden, Bordellbetreiber, Zuhälter und so weiter interviewt und ihrerseits Fragen gestellt, die die Rezensentin offenbar unverblümt weiterreicht. Soviel scheint Mentrup klargeworden zu sein: die Motive - warum eine Frau als Prostituierte arbeitet, und warum ein Mann Sex kauft - sind vielschichtiger als man glaubt. Und das Klischee von den aus Geldnot oder anderen Zwängen getriebenen Prostituierten ist ebenfalls verkehrt. Und weil die Autorin so radikal mit Klischees und Vorurteilen aufräumt, unterlaufen ihrer selbst auch einige kleinere - verzeihlich, findet Mentrup. So sei für Domentat die intakte Kleinfamilie eine naive Illusion, stellt Mentrup fest. Auf viele der Fragen hätte die Leserin der Rezension gern eine Antwort erfahren: aber entweder wollte Mentrup auf das Buch neugierig machen (was ihr damit nur halb gelungen ist) oder es gibt keine definitiven Antworten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.05.2003

Obwohl es durchaus eine Menge interessantes in diesem Buch über neue, selbstbestimmte Formen von Sexualität zu entdecken gebe, ist die Rezensentin Ruth Hoffmann mit der zentralen Aussage der Autorin Tamara Domentat nicht einverstanden. In ihrer sehr ausführlichen Rezension Vermutet sie bei Domentat "missionarischen Eifer", der sie "blind für die Widersprüche des Prostituiertenlebens" mache. An und für Sich findet die Rezensentin dabei den Ansatz der Autorin durchaus interessant: Domentat hat insgesamt neun Interviews mit unabhängig arbeitenden Prostituierten aus verschiedenen Milieus geführt und diese Gesprächsprotokolle in einer eigenen Analyse des Phänomens verarbeitet. Allerdings ist ihr letzteres nach Hoffmanns Meinung nicht wirklich gelungen: "Das Loblied der Autorin auf die Prostitution als gelungenem Emanzipationsversuch wird von den Aussagen der Sexarbeiterinnen Lügen Gestraft".

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