Aus dem Serbokroatischen von Aleksandra Bajazetov. Das ehemalige Jugoslawien gehört bei vielen Bürgerinnen und Bürgern seiner Nachfolgestaaten nicht mehr zu ihrer eigenen biografischen Erfahrung. Dennoch füllen die Abhandlungen darüber eine ganze Bibliothek. Woher rührt das große Interesse an diesem untergegangenen Staat? Dieser Frage geht Tanja Petrovic in ihrem Buch "Yuropa" nach. Im ersten Teil behandelt sie die Vorstellungen vom ehemaligen Jugoslawien, die in den Äußerungen von EU-Politikern aufscheinen und auch in den postjugoslawischen Staaten selbst artikuliert werden. Im zweiten Teil werden die Verleugnungsmechanismen, die sich die postjugoslawischen Staaten angeeignet haben, aufgezeigt. Mit "Yuropa" hat Petrovic ein Buch verfasst, das die aktuell vorherrschenden Spannungen in und zwischen den Nachfolgestaaten Jugoslawiens erklärt. Zugleich macht sie nachvollziehbar, warum beispielsweise junge Leute, die die Herrschaft Titos nicht mehr selbst erlebt haben, plötzlich Chöre begründen, die sozialistische Arbeiterlieder singen.
Marc Reichwein zeigt sich alarmiert von Tanja Petrovics Reader. Indem die Kulturwisenschaftlerin Parallelen zieht zwischen Postjugoslawien und der EU, wird dem Rezensenten bewusst, was einer Gemeinschaft, die wesentlich über ökonomische Interessen definiert wird, droht: die Auflösung nämlich nach kolonialistischer Art. Und wie wird Europa in den postjugoslawischen Ländern heute gesehen? Auch das erfährt Reichwein. Als hegemoniale Versuchung der zweifelhaften Art. Auf die Kenntnisse der Autorin aber scheint der Rezensent sich verlassen zu wollen.
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