Ted Hughes

Prometheus auf seinem Felsen

Gedichte. Englisch und deutsch
Cover: Prometheus auf seinem Felsen
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783458192305
Gebunden, 96 Seiten, 13,80 EUR

Klappentext

Übertragung und Nachwort von Jutta Kaußen. Mit einem Bilderzyklus von Eva Clemens. Die einundzwanzig Gedichte von Ted Hughes aus "Prometheus auf seinem Felsen" (1973 in einer limitierten und raren Ausgabe erschienen) zeigen den Protagonisten bewegungsunfähig, festgehalten in einer ausweglosen, todesgleichen Situation - bis er verstanden hat, was ihm geschieht, und er das Unausweichliche annimmt. Nun erst kann er sich lösen, ist wiedergeboren und geheilt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2003

Dieser Gedichtzyklus gehört in den Umkreis des Prometheus-Drama "Orghast", das Hughes für den Regisseur Peter Brooks geschrieben hat und das 1971 in Persepolis aufgeführt wurde, dessen Text heute aber als verschollen gilt. "Prometheus auf seinem Felsen" besteht aus 21 kurzen Teilen, die der Rezensent Werner von Koppenfels als "extrem verknappt, nackt, bildstark, rhythmisch zwingend" beschreibt und die sich zu einem "lyrischen Initiations-, Sühne- und Versöhnungsdrama in inneren Monologen" fügen. Es vermischen sich Autobiografisches, Mythisches, Symbolisches, gedeutet wird das Leid des Prometheus als notwendiges, da aus der Zerfleischung die Wiedergeburt folgt. Gelobt werden die Illustrationen von Eva Clemens und, im Grunde, auch die Übersetzung von Jutta Kaussen, die leider am Ende, so von Koppenfels, gelegentlich in die Irre geht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.01.2003

Was schon Platon forderte, nämlich die Mythen zum Kernpunkt der menschlichen Erziehung zu machen, wird in Ted Hughes Dichtung eingelöst, meint die Rezensentin Cornelia Jentzsch. Geradezu als "Zentrifugalkraft", die die "sprachlichen Energien" bündele, arbeite der Mythos bei Hughes. So auch im Gedichtzyklus "Prometheus auf seinem Felsen", wo die Figur des Prometheus eine Vision des Kraftschöpfens, der Wiedergeburt werde durch "das Sehen, das Denken und die Sprache, die das Bewusstsein klärt". Auch stelle der halb-göttliche, halb-menschliche Prometheus in Hughes' Zyklus die Vereinigung "verschiedener Identitäten" dar, die zwischen den Polen der "Inspiration" und der "Realisation" ein Panorama der "menschlichen Erfahrungsmöglichkeiten" umfasse, und dadurch, so Jentzsch, zum Sinnbild des Dichters werde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2002

Andreas Puff-Trojan bespricht in einer Doppelrezension zwei Gedichtbände des 1998 gestorbenen Lyrikers, wobei er zwar auf das Werk Hughes insgesamt eingeht, nicht aber auf die beiden Bücher im Einzelnen. Als Kerngedanken bei Hughes sieht der Rezensent die Erkenntnis vom verlorenen Paradies, was der Lyriker seiner Meinung nach immer wieder in seinen Gedichten "mythologisch chiffriert". Dabei zeige Hughes sich besonders von kraftvollen Tieren wie dem Tiger oder dem Falken fasziniert, bei denen "Leben und Töten" naturgewollt ineinander fielen, teilt Puff-Trojan mit. Als das "härtestes Gedicht" empfindet der Rezensent Hughes' "Ein Gott", in dem Gott zum "Symbol und Abbild der gemarterten Kreatur" wird. Was der Rezensent allerdings von den Gedichten hält, teilt er nicht mit.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.06.2002

Dieser Zyklus mit 21 "Prometheus"-Gesängen ist zweisprachig, hebt Susanne Mayer hervor. Auch wenn sie kleinere Einwände gegen die Übersetzung vorbringen könnte (was sie aber nicht tut), so lobt sie doch, dass die Übersetzerin den Ton trifft und "hält". Ebenso sagen ihr die Bilder von Eva Clemens zu, die den Gedichtzyklus begleiten und "jene Begegnung" oder Berührung mit dem Tod voll "Schrecken und Mitgefühl" ausmalen, die sich bei Hughes in allen Gedichten durchzieht, so auch im "Prometheus"-Zyklus, wo der gemarterte Gott am Felsen steht, aber ebenso ein brennender Soldat vom Himmel fällt, wie Mayer erzählt. Für sie wagt sich Hughes stets in ein Grenzterritorium vor, das sie mit seinen Worten als "Landzunge des Lebens" beschreibt: vorgelagert im Bereich zwischen Leben und Tod, Mensch und Tier, zwischen Kindheit und Erwachsensein, früher und heute. Für Mayer zählt Hughes zu den ganz großen Dichtern, wie von den Göttern berufen - und geprüft.
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