Das Telefon ist das am meisten unterschätzte Kommunikationsmittel der Gegenwart. Die Beiträge des Bandes untersuchen das Telefon in Literatur, Kunst, Film, Philosophie und spüren Aspekten einer Kulturgeschichte des Telefons nach.
Ziemlich aufschlussreich findet René Aguigah diese kulturhistorischen Aufsätze zum Telefon. Vor allem deshalb, weil das Telefon ein Gerät sei, dessen Relevanz oft unterschätzt werde - dem Fortschritt durch Computer wird viel Beachtung geschenkt, so Aguigah, dem Telefon als "Basiswerkzeug noch der neuesten virtuellen Welten" eher weniger. Mehr noch: das Telefon selbst schaffe immer wieder virtuelle Räume zwischen den Gesprächspartnern: "Das Telefon verbindet und trennt zugleich". Trotzdem: das Telefon in seiner klassischen Form wird es nicht mehr lange geben, und Aguigah schätzt an diesem Band vor allem, dass er kein "weiteres Exemplar aus dem überstrapazierten Genre ultimativer Abschiedsgesänge" ist. Wo es um die Besonderheiten des Mediums geht, lobt der Rezensent die "erhellende Nüchternheit" der Aufsätze. Weniger gelungen findet er die "motivgeschichtlichen Beiträge", die der Präsenz des Telefons in Kunst und Literatur nachspüren. Dort werde bisweilen wild fabuliert und konstruiert, z.B. in Alexander Roeslers Beitrag. Insgesamt aber "werfen diese Artikel immer wieder interessante Einsichten ab" bilanziert der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2000
"Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft", meint der Rezensent mit dem Kürzel "upj", sei dieser Sammelband über die Kulturgeschichte des Telefons erschienen. Das kleine "etwas andersartige Telefonbuch" enthalte eine ganze Reihe von interessanten Ausführungen verschiedener Kulturwissenschaftler. Besonders beeindruckt hat den Rezensenten der Aufsatz von Alexander Roesler. Denn dort kann man erfahren, dass es bereits - lange vor Inbetriebnahme des ersten Telefons - im sokratischen Dialog Phaidros erste Anzeichen für eine Reflexion über die "Fernmündlichkeit" gegeben habe.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2000
Wenn schon Reich-Ranicki für die aktuelle Ausgabe wirbt, dann ist es höchste Zeit, dass sich auch die Kulturgeschichte des Telefons annimmt. Der Philosoph Münker und der Kommunikationswissenschaftler Roesler haben das getan, und Fritz Göttler erkennt in dem von ihnen herausgegebenen Band einen "Epitaph", denn: Das gute Stück wird zunehmend verdrängt. Jedenfalls in seiner klassischen Form. Hier wird noch mal daran erinnert, dass es eine beachtliche Karriere in Literatur (etwa Proust), Malerei (Warhol) und Film (fast alle) gemacht hat, aber das schönste ist für Göttler doch die Entstehungs-geschichte, wie sie Wolfgang Hagen erzählt. Eine Frau sagt ihrem Mann, sie könne ihn "nicht mehr hören" - und der Enkel grübelt darüber, missversteht Helmholtz, weil er kein Deutsch kann und erfindet das Telefon. Da wird "Wissenschaftsgeschichte ?(zur) Psychoanalyse", freut sich Göttler.
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