Aus dem Französischen von Helmut Scheffel. Unter den zahlreichen, zu Klassikern gewordenen Essays von Roland Barthes zählt der 1964 entstandene "Der Eiffelturm" zu den bekanntesten und folgenreichsten. In ihm wendet der Strukturalist sein Instrumentarium auf das weltweit bekannte Wahrzeichen von Paris, von ganz Frankreich, an - und gelangt zu überraschenden, immer noch beindruckenden Resultaten. Der Eiffelturm ist ein Mythos des Alltags, zugleich Symbol für technische Neuerungen wie unumgängliches Touristenziel, Wahrzeichen der aufkommenden Globalisierung, in jedem Buch, in jedem Film, im Fernsehen unausweichlich, auf Facebook und Twitter von jedermann identifizierbar - kurz, ein Zeichen für alles und jedes. Roland Barthes gilt der Eiffelturm als nahezu unersetzliches Objekt: "Durch den Eiffelturm hindurch üben die Menschen jene große Funktion des Imaginären aus, die ihre Freiheit ist, da keine Geschichte, so dunkel sie auch war, sie ihnen jemals hat nehmen können."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2015
Roland Barthes ist vor allem beliebt, weil er den Geisteswissenschaften und dem Feuilletonismus neue Gegenstände erschloss - vom 2CV bis zum Beefsteak. Für die strukturalistische Arbeit dahinter interessiert man sich aber nicht, merkt Jürgen Kaube in seiner kleinen Kritik dieses Büchleins an. Der Essay über den Eiffelturm macht ihm zugleich Schönheit und Problematik von Barthes' Methode klar - Schönheit, weil er den Eiffelturm präzise als "'Schauspiel einer Funktion' ohne eine zu haben" definiere, problematisch, weil der Strukturalismus, wenn er sich nicht diszipliniert, zur Lizenz für überschießende Projektionen werden könne, in denen am Ende alles alles bedeuten kann.
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