Kulturkritik hat heutzutage keinen guten Ruf. Im besten Fall gilt sie als pathetisch und überholt, im schlimmsten als politisch suspekt. In dieser Lage erhält die Frage nach ihren historischen Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen neue Brisanz. Diese Studie beschreibt ihr Aufkommen im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Bisher wurde die Kulturkritik hauptsächlich als theoretisches Aussagegeflecht gedeutet, das anhand einer Reihe kanonischer Dichter und Denker skizziert wurde. Theo Jung fasst sie stattdessen als Diskurs auf. In vier thematischen Kapiteln wird dieser Diskurs in zeitgenössischen Debatten über Wirtschaft, Gesellschaft, Sprache und Wissen verortet. Entgegen der gängigen Vorstellung der Kulturkritik als Fremdkörper in der Moderne gelingt es dem Autor so, die ihr innewohnende Modernität herauszustellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2013
Schönes Buch, vernachlässigter Inhalt. So beschreibt der Konstanzer Historiker Rudolf Schlögl seine Lektüreerfahrung mit Theo Jungs Versuch, anhand von vier Diskursfeldern den Ursprung und die Entwicklung des kulturkritischen Denkens nachzuvollziehen. Dass Jungs Argumentation dem Rezensenten mitunter recht verschlungen und im Ergebnis widersprüchlich erscheint, ist das eine. Dass das Buch den mit dem Thema vertrauten Leser kaum über ältere Studienergebnisse hinausführt, findet Schlögl schon bedauerlicher. Und das mangelnde Lektorat trägt für ihn auch nicht gerade zur Genusssteigerung bei.
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