Kulturkritik hat heutzutage keinen guten Ruf. Im besten Fall gilt sie als pathetisch und überholt, im schlimmsten als politisch suspekt. In dieser Lage erhält die Frage nach ihren historischen Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen neue Brisanz. Diese Studie beschreibt ihr Aufkommen im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Bisher wurde die Kulturkritik hauptsächlich als theoretisches Aussagegeflecht gedeutet, das anhand einer Reihe kanonischer Dichter und Denker skizziert wurde. Theo Jung fasst sie stattdessen als Diskurs auf. In vier thematischen Kapiteln wird dieser Diskurs in zeitgenössischen Debatten über Wirtschaft, Gesellschaft, Sprache und Wissen verortet. Entgegen der gängigen Vorstellung der Kulturkritik als Fremdkörper in der Moderne gelingt es dem Autor so, die ihr innewohnende Modernität herauszustellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2013
Schönes Buch, vernachlässigter Inhalt. So beschreibt der Konstanzer Historiker Rudolf Schlögl seine Lektüreerfahrung mit Theo Jungs Versuch, anhand von vier Diskursfeldern den Ursprung und die Entwicklung des kulturkritischen Denkens nachzuvollziehen. Dass Jungs Argumentation dem Rezensenten mitunter recht verschlungen und im Ergebnis widersprüchlich erscheint, ist das eine. Dass das Buch den mit dem Thema vertrauten Leser kaum über ältere Studienergebnisse hinausführt, findet Schlögl schon bedauerlicher. Und das mangelnde Lektorat trägt für ihn auch nicht gerade zur Genusssteigerung bei.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…