Brandenburg im Winter 1812/13: Unter dem Zauber der verschneiten Landschaft verbirgt sich ein aufgewühltes Land zwischen zwei Kriegen, eine Gesellschaft im Umbruch. Während die Reste von Napoleons geschlagener Grande Armee sich über den zugefrorenen Njemen retten, der preußische Landadel über Treue und Verrat diskutiert und die Berliner Studenten über nationale Erneuerung, feiert das Ancien Regime auf Schloss Guse sein letztes Silvester. Der Text folgt buchstaben und zeichengetreu der Erstausgabe von 1878. Der Kommentar dokumentiert die lange Entstehungsgeschichte und erhellt das Geflecht aus Geschichte, Biografie, Märchen und Mythos, aus dem Fontane seine Erzählung komponierte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.03.2011
Gelehrt und anregend ist Gustav Seibts Kritik dieses nicht mehr sehr bekannten und überdies recht wuchtigen Romans von Theodor Fontane. Er spielt "vor dem Sturm" der Befreiungskriege gegen Napoleon und zeigt eine behagliche Adelsgesellschaft, die sich unbehagliche Fragen stellen muss: Ist die Loyalität zum Land über die zum König zu stellen, wenn es gilt, gegen die Franzosen zu kämpfen? Ein Zwiespalt, der, wie Seibt anmerkt, mehr als hundert Jahre später weit dramatischer zurückkehren wird. Aber zugleich bewundert Seibt in dem Roman die "leichte Hand und zarte Schattierung", die Courtoisie gegenüber der französischen und übrigens auch der polnischen Kultur, die Genauigkeit, mit der der Roman, der kurz nach der deutschen Reichsgründung geschrieben wurde, das eigene historische Umfeld reflektiert. Es gibt nicht mehr viele historische Romane des 19. Jahrhunderts, die den Leser noch so beschwingen könnten, versichert Seibt, und scheut sich nicht, "Vor dem Sturm" mit dem anderen großen Roman über diese Zeit, Tolstois "Krieg und Frieden" zu vergleichen. Den ausführlichen und für heutige Leser notwendigen Kommentar der Neuausgabe lobt Seibt mit ganz geringen Einschränkungen. Einen historischen Stadtplan von Frankfurt an der Oder hätte er gern noch gehabt.
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