Der letzte Sommer der Tauben
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446282223
Gebunden, 216 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Wie totalitäre Herrschaft in den Alltag dringt. Noah ist vierzehn Jahre alt und Taubenzüchter. Eines Tages flattern seine geliebten Tiere unruhig durch die Lüfte, über der Stadt kreisen die Helikopter des Kalifats. Noah erlebt einen Sommer voller Umbrüche: Für seinen Vater muss er Frauenkörper auf Produktfotos schwärzen, sein älterer Bruder steigt zum Leiter einer Sicherheitsbehörde auf, seine Mutter und seine Schwester dürfen nicht mehr allein aus dem Haus - und bald schon steht das Leben seiner Tauben auf dem Spiel. "Der letzte Sommer der Tauben" erzählt vom Verlust der Kindheit und vom Erwachsensein in einer von Willkür und Gewalt bestimmten Gesellschaft.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2026
Noah, der Protagonist von Abbas Khiders neuem Roman, ist ein Taubenzüchter, dessen Leben aus dem Gleichgewicht gebracht wird, als die Mudschahedin, die "Gotteskrieger", die Kontrolle über seine Stadt übernehmen, erzählt Rezensent Hubert Spiegel. Ihre Herrschaft ist grausam, selbst die Tauben wollen flüchten, lesen wir: Noahs Jugend geht unwiderruflich zu Ende, für seine weiblichen Verwandten sieht die Lage noch schlimmer aus. "Leichthändig, aber nicht leichtfertig", ohne Effekthascherei und gerade deshalb für den Kritiker sehr berührend schildert Khider, wie der religiöse Fanatismus sich ins Land frisst. Spiegel ist beeindruckt, wie meisterhaft knapp Khider komplexe Ereignisse auf den Punkt bringt. Interessant findet der Kritiker auch die Rolle eines Deutschen, der als Konvertit ins Kalifat kommt: Er hofft, dass Khider dieser Figur noch einen eigenen Roman widmet.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 14.02.2026
"Wie eine Flaschenpost", kommt Kritiker Dirk Knipphals dieser so berührende wie inhaltlich schockierende Roman von Abbas Khider vor. In einem nicht definierten Land, das Knipphals aber als Afghanistan liest, kommen Gotteskrieger an die Macht. Ein 14-jähriger Junge schildert in einem laut Kritiker schlichten, aber dadurch sehr überzeugenden Ton seinen Alltag, in dem die Gewalt der Mudschaheddin immer spürbarer wird und sie letztlich sogar das Taubenzüchten verbieten, das ihm so viel Freude macht. Khider verzichtet weitgehend auf poetische Ausschmückungen und gerade das erzeugt für den Rezensenten eine starke Sogwirkung.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 11.02.2026
Für große Literatur hält Rezensent Carsten Hueck den neuen schmalen Roman von Abbas Khider, der ihn in einen nicht konkret benannten Ort in Afghanistan führt. Erzählt wird aus der Perspektive des knapp 15-jährigen Noah, der sich an der Taubenzucht festhält, während das Kalifat die Freiheit der Bürger immer weiter einschränkt. Taubenzucht dient in Ländern des Nahen und des Mittleren Ostens der Entspannung, klärt Hueck auf. Vor allem bewundert der Kritiker die Sprache, einfach, nüchtern, mit leisem Humor statt Pathos, mit der Khider seinen Protagonisten die Verhältnisse mit jugendlicher Naivität beschreiben lässt: Wir erfahren, wie klassische Musik in Restaurants religiösen Gesängen weichen muss oder Frauenhaare, Gesichter und Haut von den Verkäufern mit schwarzem Edding übermalt werden müssen. Und doch schimmern immer wieder Momente von Vertrauen, Liebe, Schönheit und Freude durch, verrät der angetane Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 07.02.2026
"Was für eine Geschichte", mit diesen Worten beschließt Rezensent Marko Martin seine kurze, aber eindringliche Lobrede auf Abbas Khider und dessen neues Buch. In "Der letzte Sommer" erzählt der im Irak geborene Autor mit beeindruckender Präzision und Anschaulichkeit vom Aufwachsen des 16-jährigen Noah unter den Mudschahedin, von einem Alltag also, der von Gewalt und Unterdrückung geprägt ist, und in dem es dem Protagonisten nur knapp - dank seiner Familie und seiner geliebten Tauben - gelingt, nicht zu zerbrechen. Bemerkenswert findet Martin vor allem, wie wenig Khider braucht, um Stimmungen zu transportieren, soziale und psychologische Dynamiken veranschaulichen, und wie es ihm gelingt, eigene existenzielle Erlebnisse als universelle Erfahrungen zu vermitteln, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit zu abstrahieren. Prägnanz, Sinnlichkeit und Schlichtheit machen diesen Roman aus, so der bewegte Rezensent. Und "was für ein Roman" das ist, schießt er.