Herausgegeben von Hubertus von Amelunxen. Mit ca. 40 Abbildungen. Seit 1980 ist die Photographie durch das Phänomen der Digitalisierung und der elektronischen Bearbeitung einer erheblichen technischen Revolutionierung unterworfen. Dieser Schock des Neuen hat offensichtlich zu einer kaum vorhergesehenen Renaissance in der Theoriediskussion geführt. Aus Denkansätzen der neueren Philosophie, der Psychoanalyse, der Kunst- und Gesellschaftskritik, der Literaturwissenschaft und der Geschlechterdiskussion haben sich in den jüngsten Jahren viele fruchtbare und erhellende Beiträge im internationalen Diskurs über die Fotografie ergeben. Im jetzt vorliegenden vierten Band der Anthologie "Theorie der Fotografie" hat Hubertus von Amelunxen 36 dieser zwischen 1980 und 1995 entstandenen Texte zusammengestellt. Darunter sind Beiträge von Jean Baudrillard, John Berger, Jacques Derrida, Georges Didi Huberman, Vilem Flusser, Jochen Gerz, Rosalind Krauss, Jean-Claude Lemagny, Herbert Molderings, Andreas Müller-Pohle, Allan Sekula, Abigail Solomon Godeau, Paul Virilio und vielen anderen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.10.2000
Zwanzig Jahre nach den ersten drei Bänden (herausgegeben von Wolfgang Kemp) erscheint nun ein Fortsetzungsband dieser Sammlung von Schlüsseltexten zur Theorie und Geschichte der Fotografie. Ulf Erdmann Ziegler bespricht den Band sehr ausführlich und geht auf einige der Aufsätze genauer ein. Als Gesamttendenz gegenüber den bisherigen Bänden sieht er die theoretisierenden Fotografen auf dem Rückzug, dafür gebe es nun viele Texte "von amerikanischen Akademiker(innen) mit französisiertem Weltbild". Als wichtigster Theoretiker steht bei den meisten Roland Barthes im Hintergrund, dessen Beschreibung der Fotografie vom Begriffspaar von "punctum" und "studium" her Ulf Erdmann Ziegler - ebenso wie dann konsequenterweise die meisten der Essays - mit einiger Skepsis betrachtet. Vorgestellt werden Diskussionen zu "hoher" und "niedere" Fotografie, zum Quellencharakter und zum Dokumentarischen des fotografischen Bildes. Am einleuchtendsten scheint dem Rezensenten der Aufsatz des Fotografen Reinhard Matz (Titel: "Gegen einen naiven Begriff der Dokumentarfotografie"), der, inspiriert durch die Psychoanalyse, von der "Überdeterminierung" der Fotografie spricht. Bedauern äußert Ziegler darüber, dass die Protagonisten der letzten Jahre - von Andreas Gursky bis Jeff Wall - gar nicht oder kaum vorkommen, an denen auch eine - von den Theoretikern der Fotografie wenig geschätzte - Tendenz abzulesen wäre: die Fotografie gehört inzwischen "ins Feld der kunstkritischen Beschreibung und Interpretation."
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