Für Rezensent Claus Leggewie findet der im Titel angekündigte Denkmalsturz zwar nicht statt. Trotzdem verdankt er der "schmalen Studie" der beiden Münchner Zeithistoriker ein paar interessante Anregungen. Zum Beispiel die, dass der legendäre Kniefall vor dem Denkmal für den Warschauer Ghettoaufstand zunächst gar kein globales Medienereignis gewesen sei, sondern als Zeichen einer Veränderung im Diskurs deutscher Nachkriegspolitik im Ausland eher skeptisch aufgenommen worden sei. Dass man die Demutsgeste international auch als Affront und Ankündigung deutete, ein historisch unbelasteter Kanzler wolle deutsche Politik in Zukunft deutlich "ungenierter" vertreten. Leggewie freut sich über viele interessante Einblicke und Querverweise zu Geschichte und Rezeption des Warschauer Kniefalls. Es stört ihn aber der "stakkatohafte, bisweilen bildzeitungsartige Proklamationsstil" der Studie ebenso, wie ihr populistischer und polemischer Ansatz, den er ebenso wohlfeil wie überflüssig findet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2006
Zufrieden zeigt sich Gregor Schöllgen mit Michael Wolffsohns und Thomas Brechenmachers "flott geschriebener, faktengesättigter" Studie, die Willy Brandts Kniefall in Warschau im Kontext der deutsch-israelischen Beziehungen Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre untersucht. Ob Brandts Geste, die damals um die Welt ging, ein ganzes Buch wert ist, möchte der Rezensent dahingestellt sein lassen. Beeindruckend erscheinen ihm jedoch die Mühen, die die Autoren auf sich genommen haben, um den Kniefall in seinen "innen- und außenpolitischen Zusammenhängen" zu verstehen und die Wirkung in seiner Zeit zu beleuchten. Die Ergebnisse und Erkenntnisse der Recherchen findet Schöllgen "interessant, wenn auch nicht unbedingt überraschend".
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