Peter Reichel

Vergangenheitsbewältigung in Deutschland

Die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur von 1945 bis heute
Cover: Vergangenheitsbewältigung in Deutschland
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406459566
Paperback, 253 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

Die "Vergangenheitsbewältigung" in Deutschland, also die politische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Diktatur und ihren Folgen, ist längst selbst zu einem historischen Thema geworden. Von der Entnazifizierung und den Nürnberger Prozessen bis zur aktuellen Debatte um das Holocaust-Mahnmal und die Entschädigung der Zwangsarbeiter beschreibt dieses Buch, wie die Deutschen politisch, juristisch und letztlich auch moralisch mit der NS-Vergangenheit umgegangen sind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.06.2001

Edgar Wolfrum ist der Ansicht, dass mit diesem Band nun endlich eine aktuelle Gesamtdarstellung zu der Frage vorliegt, ob die bundesdeutsche NS-Vergangenheitsbewältigung zu recht "vielen postdiktatorischen Ländern der Welt als vorbildlich" erscheint. Gut gefällt Wolfrum offenbar, dass Reichel dabei sein Augenmerk sowohl auf die Bundesrepublik wie auch auf die DDR richtet und "eindringlich, quellennah und sehr anschaulich" die politischen und juristischen Aktivitäten zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit untersucht. Schade findet der Rezensent allerdings, dass sich Reichel sehr auf den "politisch-justiziellen Bereich" konzentriert. Denn seiner Ansicht nach kann die Thematik nur dann in ihrer Gesamtheit erfasst werden, wenn man auch Aspekte wie "Erinnerungskultur und Wissenschaft" in die Darstellung mit einbezieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.05.2001

Kaum ein gutes Wort hat Ulrich Speck für die Abhandlung des Politologen Peter Reichel übrig. Schon der Untertitel sei ein Etikettenschwindel, denn Reichel präsentiere keine Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur bis in die Gegenwart, sondern eine bis in die sechziger Jahre. Und die beruhe auch noch auf einem juristischen Fokus. Politische, kulturelle und soziale Aspekte habe der Autor außen vor gelassen. Außerdem ist der Rezensent darüber enttäuscht, dass Reichel mit seiner thematischen Gliederung des Buchs kein Licht in das Dickicht der Forschungsliteratur bringe, sondern, im Gegenteil, den Leser stark verwirre. Mehr Bescheidenheit hätte dem Autor besser zu Gesicht gestanden, denkt Speck und bemängelt auch noch das Lektorat, denn auch Reichels "oft hölzerne, manchmal unpräzise Sprache" hat ihm missfallen. Wer sich für einzelne Aspekte der juristischen Aufarbeitung bis Anfang der 60er Jahre interessiert, sollte das Buch aber trotzdem lesen. Denn hier, räumt Speck ein, gebe der Autor eine kenntnisreiche und im Detail abgewogene gute Darstellung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2001

Die Bewältigung der NS-Vergangenheit wird immer ein Thema bleiben, denn bewältigt werden kann das geschehene Unrecht sowieso nicht, denkt der Rezensent mit dem Kürzel "RAB". Verdrängt wurde sie aber allemal, vor allem in der Nachkriegszeit, als Adenauer öffentlich die meisten Deutschen von einer Mitverantwortung für die Verbrechen während des Nationalsozialismus freisprach. Sehr informativ und lesenswert findet der Rezensent daher die Studie von Peter Reichel. Denn der Autor analysiere nicht nur die weltweit bekannt gewordenen Nürnberger Prozesse und den Frankfurter Auschwitz-Prozess, sondern auch die Entschädigungsverhandlungen mit dem Staat Israel, die Debatten um die Zwangsarbeit und Verjährung und zahlreiche Absurditäten deutscher Rechtsprechung, berichtet "RAB". So zum Beispiel das Urteil des Bundesdisziplinarhofs Anfang der fünfziger Jahre, das die Entscheidung des Reichsdisziplinarstrafhofes bestätigte, einen Beamten aus dem Dienst zu entfernen, weil er den Hitlergruß nicht vorschriftsmäßig ausgeführt hatte.
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