Die Affäre zu Guttenberg und ähnliche Fälle haben das Thema Plagiat in die allgemeine Aufmerksamkeit gerückt. Dabei geht es um mehr als um Aufstieg und Fall eines prominenten Politikers. In Zeiten von Internet und Copy&Paste stehen die ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Wissenschaftlichkeit insgesamt auf dem Prüfstand. Was ist bzw. wo beginnt wissenschaftliches Fehlverhalten? Und wie soll auf die bisherigen Vorfälle reagiert werden, die nur einen Ausschnitt aus den möglichen Verletzungen des wissenschaftlichen Wahrheitsgebots und erst recht aus dem weit größeren Feld kultureller Nachahmungs- und Übernahmepraktiken darstellen? Der vorliegende Band, der auf eine Tagung an der Universität Bayreuth zurück geht, möchte Orientierung geben und Handlungsoptionen darlegen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.09.2013
Franz Himpsl staunt, wie die Plagiatsdebatte in der Wissenschaft, anders als in der Öffentlichkeit, jetzt erst so richtig in Fahrt kommt. Einen Hinweis darauf sieht der Rezensent unter anderem in diesem von den Rechtswissenschaftlern Thomas Dreier und Ansgar Ohly herausgegebenen Sammelband. Das komplexe Thema findet Himpsl darin sowohl aus juristischer, wissenschaftsethischer wie auch aus kulturgeschichtlicher Perspektive angegangen. Die Frage, ob Plagiate auch Rechtsbrüche seien, lässt er sich beantworten, wie auch diejenige nach probaten Gegenmitteln, juristisch und wissenschaftsintern. Die Frage, was zu tun ist, findet Himpsl im Band am besten von Peter Sloterdijk erörtet. Dass Software kein Mittel ist, hat ihm zuvor übrigens schon Debora Weber-Wulff in ihrem Beitrag klargemacht. Sloterdijk nun bringt es laut Rezensent auf die banal klingende Erkenntnis: Man muss die Texte wieder lesen, und zwar aufmerksam.
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