Laufzeit: 54 Minuten. Erwin Geschonneck war einer der profiliertesten Schauspieler der DDR, schon zu Lebzeiten eine Film- und Theaterlegende. Im Januar 1987 sprach der noch junge Regisseur Thomas Heise mit dem 80-jährigen Großmimen über seine Zeit als Häftling im KZ Dachau. Das daraus entstandene Feature durfte bis zum Dezember 1989 im DDR-Rundfunk nicht gesendet werden. Geschonneck berichtet darin vom Alltag im Lager, von Abstumpfung gegenüber Elend, Gewalt und grausamen Machtverhältnissen, vom Wunsch, "sauber zu bleiben". Für die DDR-Propaganda sahen Helden des Widerstands im KZ anders aus. Und er erzählt vom Humor als Überlebensstrategie, am Beispiel etwa eines "komischschaurigen Ritterstücks", einer heimlichen Persiflage auf das Dritte Reich - aufgeführt von Häftlingen für Häftlinge im Juni 1943.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016
Dieses von Thomas Heise inszenierte Feature ist gleich in zweifacher Hinsicht ein wichtiges historisches Dokument, versichert Rezensent Tobias Lehmkuhl. Zum einen, weil der DDR-Schauspieler Erwin Geschonneck hier eindringlich von seinen Erfahrungen als Block-Ältester im Lager Dachau erzählt, so Lehmkuhl, der unter anderem erfährt, wie Geschonneck mit der "Allgegenwärtigkeit des Todes" umging und wie er die SS zum Lachen brachte, um zu überleben. Zum anderen, weil das ursprünglich für den Rundfunk der DDR erarbeitete Feature den Verantwortlichen zu "unideologisch" erschien, um es zu senden, klärt der Kritiker auf, der im Booklet zahlreiche interessante Dokumente entdeckt. Wie Heise mit leisen Hintergrundgeräuschen das Verhältnis von "Ausgesprochenem und Unausgesprochenem" in den beiden Diktaturen erfahrbar macht, findet der Rezensent brillant.
Zu DDR-Zeiten hatte das Zentralkomitee die Rundfunkausstrahlung dieses Interviews tunlichst verhindert, verrät Alexander Cammann: der ohnehin als unbequem bekannte Regisseur Thomas Heise sprach mit Erwin Geschonneck, einem erfolgreichen Film- und Theaterschauspieler, über dessen Zeit im KZ Dachau und über Stalins Lager, die für Geschonneck der Inbegriff einer gescheiterten Utopie waren, fasst der Rezensent zusammen. Es wundert also wenig, dass die Partei intervenierte, findet Cammann.
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