Die USA sind verloren, der Westen ist tot, die internationale Ordnung am Ende - Untergangsprognosen haben Konjunktur. Doch wer so argumentiert, ergibt sich kampflos dem nationalistischen Zeitgeist, meint Thomas Kleine-Brockhoff. Statt zu jammern, sollten die Verteidiger der liberalen Demokratie lieber in die Offensive gehen. Der Berliner Politikberater stellt deshalb das Prinzip des robusten Liberalismus vor, um Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit des Westens wiederherzustellen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.10.2019
Ganz angesteckt ist Daniel Brössler von dem pragmatischen Zugriff des Autors, Berater Joachim Gaucks während dessen Präsidentschaft. Sein Plädoyer für einen robusten Liberalismus, als dessen beispielhaften Politiker er den britischen Expremier Tony Blair ausmacht, hat ihm eingeleuchtet. Blair ist als Befürworter humanistisch begründeter Militäreingriffe der Prototyp dessen, der Handlungsoptionen erkennt und ergreift. Merkel dagegen gilt dem Politikberater zwar als ebenso dem pragmatischen Internationalismus zugehörig, habe aber durch "Rigorismus" in der Flüchtlingsfrage gleich wieder künftige Lösungen erschwert. So steckt der kritische Rezensent für uns das Feld ab, auf dem Kleine-Brockhoff seine Fragen auslegt, ohne, so lobt Brössler, selbstüberschätzende Antworten zu geben.
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