Dieses Buch ist der Intention nach eine Einleitung für Fortgeschrittene in das Denken und den philosophischen Grundansatz des Nicolaus Cusanus. Ausgangspunkt der Interpretation ist der Begriff des Geistes (mens). An eine Analyse seiner Natur, seiner produktiven Vermögen und der nur ihm eigenen Möglichkeit zu einem methodisch geleiteten Erfassen des ihm durch sinnliche wie geistige Erfahrung Zugänglichen (Theoreme der Koinzidenz, der Ein- und Ausfaltung, der Genauigkeit), schließt dann eine Darstellung der in und durch dieses Vermögen entfalteten Perspektiven an, in denen sich nach Cusanus für jedes Geistwesen, in besonderer Weise aber für das menschliche Individuum die Wirklichkeit erschließt. Diese Perspektivierungen - Gott, Welt, Mensch - reflektieren in der Brechung des spezifisch cusanischen Denkansatzes zugleich ein Grundmuster des Wirklichkeitsverständnisses des frühneuzeitlichen Denkens. Die Darstellung schließt mit einem Blick auf die Affinität des cusanischen Denkens und seiner Methode(n) zur Kunst, insbesondere zur Malerei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006
Thomas Meyer kann dieses Buch über den Kardinal und Philosophen des 15. Jahrhunderts Nicolaus Cusanus von Thomas Leinkauf uneingeschränkt empfehlen. Entgegen dem Untertitel gehe dieses Werk weit über eine bloße "Einführung" hinaus, versichert der begeisterte Rezensent, der im Autor, seines Zeichens Philosophiehistoriker, genau die richtige Doppelkompetenz sieht, um sich dieser Figur zwischen Mittelalter und Neuzeit zu widmen. Leinkauf stellt die Ideen und Theorien Cusanus' gründlicher in den Kontext seiner Zeit, als das bisher getan wurde, lobt der Rezensent, und ihm scheint auch das weit gestreute "Interesse" des Autors von Vorteil. Die Glanzstücke dieses Buches sieht der hingerissene Meyer in den Ausführungen zu den drei zentralen Begriffen des Theologen, "Gott", "Welt" und "Mensch", wie er überhaupt an den komplexen Deutungen Leinkaufs seine Freude hat.
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