In Thomas Manns Werk nehmen die Erzählungen einen besonderen Stellenwert ein. Von seinen Anfängen als Schriftsteller bis kurz vor seinem Tod hat er immer wieder kürzere Prosa verfasst und damit Weltliteratur geschaffen. Der Band "Späte Erzählungen" setzt 1919 mit dem Idyll "Herr und Hund" ein, es folgen so berühmte Erzählungen wie "Unordnung und frühes Leid" und "Mario und der Zauberer", bis 1953 das Erzählwerk mit "Die Betrogene" seinen Abschluss findet. Hans Rudolf Vaget hat im Rahmen der "Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe" die späten Erzählungen textkritisch ediert und mit einem fundierten Kommentar ergänzt, der die Entstehung und Wirkung der Texte nachzeichnet, biographische, literatur- und zeitgeschichtliche Zusammenhänge erläutert und damit neue Zugänge zu diesem epochalen Erzählwerk ermöglicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2022
Am Rande seiner Besprechung zu Band 11 der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe kommt Mann-Kenner Edo Reents auch auf den bereits im vergangenen Jahr von Rudolf Vaget herausgegebenen Band mit "Späten Erzählungen" zu besprechen. Reents schätzt den Germanisten Vaget dafür, dass er den späten Mann, anders als Joachim Fest, aus der Rezeptions-Perspektive des "romantisch-verträumten Fatalismus" befreite. Nicht jede späte Erzählung Manns, etwa "Die Betrogene", ist denn aber auch als "politische Allegorie" zu verstehen, mahnt der Kritiker. Im Gegensatz etwa zu Manns Moses-Psychogramm "Das Gesetz", dessen "riskante politische Botschaft" Vaget korrekt herausarbeite, wie Reents lobt. Vagets Einteilung der Erzählungen scheint dem Rezensenten klug, die Frankfurter Ausgabe dürfte "auf Jahrzehnte Gültigkeit haben", schließt er.
Rezensent Wolfgang Schneider lobt die kenntnisreiche Aufgeräumtheit des Kommentars von Hans Rudol Vaget zu den späten Erzählungen von Thomas Mann aus den Jahren 1919-1953, darunter "Mario und der Zauberer", "Herr und Hund" oder "Die vertauschten Köpfe". Ob Mann sich dem Privatem zuwendet, dem Politischen oder einem gynäkologischen Problem ("Die Betrogene"), die Frische, aber auch die Merkwürdigkeit der facettenreichen Geschichten erstaunt Schneider. Dass dem Autor offenbar kein Stoff zu heikel war, um seine Kunst daran zu erproben, ist für den Leser auch heute noch ein Gewinn, verspricht der Rezensent. Die indische Dreiecksgeschichte "Die vertauschten Köpfe" erscheint Schneider gar als Comedy-Spaß sondergleichen.
Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…