Was ist das "wahre" Judentum? Über diese Frage stritten jüdische Philosophen und Theologen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten bis zum gewaltsamen Ende öffentlichen jüdischen Lebens im Jahre 1938. Zu den bislang wenig beachteten philosophischen Selbstverständigungstexten des 20. Jahrhunderts zählt die Grundlagendebatte, die jüdische Philosophen und Theologen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten führten. In Zeitungen, Zeitschriften und Büchern wurde bis zum gewaltsamen Ende öffentlichen jüdischen Lebens in Deutschland im Jahre 1938 noch ein halbes Jahrzehnt lang leidenschaftlich um das zeitgemäße und "wahre" Judentum gestritten. Zentrale Deutungsangebote jenseits der viel beschworenen "deutsch-jüdischen Symbiose" kamen dabei vor allem von theologischer Seite.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.11.2008
Vor allem dies macht Thomas Meyers Studie dem Rezensenten schmerzlich bewusst: Auch sechseinhalb Jahrzehnte nach dem Holocaust gibt es keine neue Generation von jüdischen Theologen und Philosophen in Deutschland, die als Nachfolger von Geistesgrößen wie Martin Buber, Leo Baeck oder Hannah Arendt gelten könnte. Lesenswert erscheint Michael Brenner das Buch als Dokumentation der einstigen Lebendigkeit, Vielfalt, aber auch der Krisenbewusstheit der Zeit zwischen 1933 und dem Holocaust. Die Porträts jüdischer Intellektueller, die der Autor als Ausgangspunkt für die Darstellung aktueller Fragen der Krisenzeit (zu Offenbarung und Gesetz) nutzt, findet Brenner mal kritisch (Leo Strauss), mal faszinierend, weil neue Perspektiven eröffnend (Franz Rosenzweig), begreift sie jedoch stets als Endzeitpanorama deutsch-jüdischen Geisteslebens.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2008
Mit großem Interesse hat Andreas Kilcher diesen Essay des Leipziger Ideenhistorikers Thomas Meyer gelesen, der mit aller Vorsicht die Wende betrachtet, die das jüdische Denken in Religion und Philosophie 1933 genommen hat. Denn genau in dem Moment, als das jüdische Leben in Deutschland "antastbar und schutzlos" wurde, besannen sich etliche Theoretiker wieder auf den unabänderlichen Kern jüdischen Denkens, wie der Rezensent beschreibt. Dabei betont Kilcher aber auch, dass es sich bei dieser Entwicklung nicht um eine Rückwendung zu einer orthodoxen Antimoderne handelt, sondern um einen Rückgriff auf die jüdische Überlieferung, der die Aufklärung im Bewusstsein behält. Beispielhaft genannt werden der Lyriker Karl Wolfkehl, der Neukantianer Hermann Cohen, der politische Philosoph Leo Strauss, der Philosophiehistoriker Fritz Heinemann oder der Religionsphilosoph Ignaz Maybaum.
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