Maurice-Ruben Hayoun

Geschichte der jüdischen Philosophie

Cover: Geschichte der jüdischen Philosophie
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004
ISBN 9783534102600
Gebunden, 296 Seiten, 54,00 EUR

Klappentext

Seit der 1933 erschienenen "Philosophie des Judentums" von Julius Guttmann unternimmt Maurice-Ruben Hayoun den ersten ernsthaften Versuch einer deutschsprachigen Gesamtdarstellung jüdischer Philosophie. Dabei wird erstmals auch die jüdische Mystik mitsamt ihren Verzweigungen berücksichtigt. Die mittelalterliche Philosophie von Moses Maimonides (1138-1204) und ihr Einfluss auf das Denken das berühmten Aufklärers Moses Mendelssohn (1729-1786) werden klar herausgearbeitet, sodass erstmals das Kontinuum der jüdischen Geistesgeschichte erkennbar wird. Jüdisches Denken und Fühlen von der talmudischen Ära bis zum Zeitalter von Leo Baeck und Gershom Scholem, von der mittelalterlichen Aufklärung bis zum Säkularisierungsprozess der Moderne und schließlich dem Zionismus werden in diesem Band anschaulich dargestellt und führen den Leser in eine ungewohnte, aber faszinierende Welt des Denkens ein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2005

Mit Maurice-Ruben Hayouns "Geschichte der jüdischen Philosophie" geht Christoph Schulte streng ins Gericht und hat rein gar nichts Lobenswertes gefunden. Der Autor orientiert sich mit seinem Buch ausdrücklich an Julius Guttmanns "epochemachendem Werk" über jüdische Philosophie und will sowohl eine "chronologische Gesamtdarstellung" als auch ein Lehrbuch sein, teilt der Rezensent mit. Er erkennt durchaus das "Risiko" eines solchen Vorhabens an, hat sich doch die jüdische Philosophie mittlerweile zu einem eigenständigen Feld der Philosophiegeschichte entwickelt, das auf weitreichende Sekundärliteratur mit zahlreichen Einzelstudien zurückblickt, räumt der Rezensent ein. Allerdings erreiche Hayoun nicht einmal den Standard, den Guttmann mit seinem Werk bereits vor über 70 Jahren gesetzt hat, beschwert sich Schulte. Weder würde der Stand der Forschung in diese Darstellung berücksichtigt, noch eine Fachbibliographie geboten. Kopfschütteln erregt beim Rezensenten auch die Tatsache, dass Hayouns Buch keine "systematische Auseinandersetzung" mit dem Begriff der jüdischen Philosophie versucht. Das Auswahlverfahren des Autors überzeugt den Rezensenten ebenso wenig wie die Entscheidung, beispielsweise Franz Rosenzweig lediglich auf einer Seite, den Rabbiner Raphael Hirsch dagegen, der im engeren Sinne gar kein Philosoph war, ganze sechs Seiten zu widmen. Wendet sich Schulte dem Anspruch Hayouns zu, ein Lehrbuch geschaffen zu haben, fällt das Werk genauso durch, weil der Autor weder Namens- noch Sachregister in sein Buch eingeschlossen hat. Schließlich stellt der erboste Schulte auch noch "sprachliche Schwammigkeit" fest, die seinem ohnehin vernichtenden Urteil das I-Tüpfelchen aufsetzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.02.2005

In Grund und Boden rezensiert Friedrich Niewöhner diese "Geschichte der jüdischen Philosophie" von Maurice-Ruben Hayoun. Dass der Verlag das fragwürdige Werk als "ersten ernsthaften Versuch einer Gesamtdarstellung jüdischer Philosophie im deutschen Sprachraum" seit Julius Guttmanns "Die Philosophie des Judentums" (1933) anpreist, erscheint Niewöhner als Verhöhnung des Lesers. Er stellt erstens klar, dass es nicht der erste Versuch ist (Heinrich und Marie Simons "Geschichte der jüdischen Philosophie" erschien 1984 in Berlin (Ost) und gleichzeitig in München). Zweitens, dass das Buch "nicht ernsthaft" ist, "sondern schlicht dumm und lächerlich, oft unsinnig". Drittens könne von einer Gesamtdarstellung nicht die Rede sein, "denn es enthält nur Hinweise auf rhapsodisch ausgewählte Philosophen, die in der Darstellung Hayouns oft völlig unverständlich sind". Neben den zahlreichen inhaltlichen Fehlern des Buches beklagt Niewöhner auch die Unfähigkeit des Autors, ein "korrektes Deutsch" zu schreiben und richtig zu bibliografieren. "Wieso und warum die Wissenschaftliche Buchgesellschaft einen Text, der makuliert werden müsste, zur Veröffentlichung annimmt und mit falschen Behauptungen anpreist", findet Niewöhner schleierhaft. "Die Leser sollten sich gegen diese sie als dumm und unmündig hinstellenden Machenschaften wehren."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2004

Verärgert äußert sich Rezensent Thomas Meyer über Maurice Ruben-Hayouns Anlauf, eine "Geschichte der jüdischen Philosophie" zu schreiben - eigentlich das erste Mal seit Julius Guttman im Jahr 1933, skizziert Meyer kurz das Umfeld. Anders als damals Guttmann, für den jüdische Philosophie gleichbedeutend mit der Philosophie des Judentums gewesen sei, könne sich Ruben-Hayoun nicht zu einer inhaltlichen Positionierung entschließen, bemängelt Meyer. Entsprechend inkonsequent und inkohärent sei der Aufbau des Buches: statt einer chronologischen Vorgehensweise, die geholfen hätte, das gewaltige Material zu sortieren, springe der Autor vor und zurück, kritisiert Meyer, assoziiere und interpretiere nach Lust und Laune, ohne einen roten Faden erkennen zu lassen. Schlampig seien auch die bibliografischen Angaben, eklatant außerdem die Unkenntnis des Autors der späten jüdischen Geistesgeschichte. Meyers Fazit: das Manuskript bedürfe dringend einer Überarbeitung.

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