Thomas Stangl

Regeln des Tanzes

Roman
Cover: Regeln des Tanzes
Droschl Verlag, Graz 2013
ISBN 9783854208464
Gebunden, 278 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Da ist eine junge Frau, die als Demonstrierende gegen die neue, rechtslastige Regierung in Wien im Februar 2000 durch politisches Handeln ein neues Existenzgefühl erfährt. Ihre Schwester Mona geht zur selben Zeit einen ganz anderen Weg, der in einem schockierend-befreienden acte gratuit endet. Und 15 Jahre später gerät ein Dr. Walter Steiner in eine existenzielle Krise, da seine Frau ihn verlässt; gleichzeitig verbindet ihn der zufällige Fund von alten Bildern mit diesen zwei Frauen und stellt neue Zusammenhänge her. Die drei Personen dieses Romans durchstreifen Wien zu unterschiedlichen Zeiten, mit unterschiedlichen Motiven, und versuchen auf unterschiedliche Weisen, in der Wirklichkeit anzukommen - durch politisches Engagement, durch Kunst oder durch die Aufkündigung aller existierenden Zwänge.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2013

Thomas Stangls Roman über das tragische Schicksal zweier Schwestern "zieht und zerrt" an Anja Hirsch und es fällt ihr teilweise schwer, dem Strom  der Geschichte zu folgen, die aus der Sicht eines emeritierten Kunstwissenschaftlers erzählt wird. Das Buch lese sich, so die Rezensentin, wie eine Landkarte, die man geduldig und mit Lesepausen erforscht werden müsse. In ihren besten Momenten beginnt die langsame Geschichte für sie magisch und tänzerisch leicht zu leuchten. Dann verliert Hirsch gemeinsam mit den Figuren das Zeitgefühl und verliert sich in Stangls feingliedrigen Beschreibungen aus den "Randzonen des grübelnden Ichs".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.11.2013

Thomas Stangl führt zurück in die Zeit der Proteste gegen die FPÖ im Jahr 2000, er versucht, "Geistesverfassungen jener Zeit atmosphärisch dazustellen", erklärt der hier rezensierende Schriftsteller Leopold Federmair. In zwei, wie der Rezensent lobt, meisterlich verknüpften Strängen - der eine davon in der nahen Zukunft des Jahres 2015 - erzählt Stangl anhand einiger, im zweiten Strang ausgebrannt ihrem Niedergang entgegen sehender Protagonisten, wie sich die öffentliche Erregung dem Tagesgeschäft des Betriebs fügte. Wie Stangl das gelingt, erinnert den Kritiker vom Verfahren her an die "Kunst der Fuge", von der Motivlage an die Romane Emmanuel Boves und an Sartres "Ekel". Etwas kryptisch schreibt Federmair von "Fugungen und Entfugungen", die sich im Aufgriff einer Doppelgängerthematik wie zum Tanz entfalten. Es gehe, so der Rezensent weiter, in dem Buch darum, wie sich das Ich im Gewirr der Identitäten verliert und wie die Kunst das Unsagbare umkreist. Etwas konkreter wird es wieder zum Ende der Besprechung: Ganz ausdrücklich lobt der Rezensent Stangls meisterliche Wortarbeit und ist im Großen und Ganzen voll des Lobs.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Rezensentin Sibylle Cramer spart nicht an Vergleichen mit großen Namen bei der Besprechung von Thomas Stangls viertem Roman "Regeln des Tanzes". Der Wiener Autor schreibe den epochenkritischen Zeit- und Bewusstseinsroman Musils und Becketts fort, glaubt die Kritikerin, die nach der Lektüre von Stangls neuem, reflexiv erzählten Roman ganz das Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit durcheinanderwirft. Und so verliert sich Cramer hier im Wien der Jahrtausendwende, erlebt den beispielhaften Krisenfall der westlichen Welt und wird gebannt in das Figurendreieck um die Schwestern Andrea und Monika und den alternden Kunsthistoriker Walter Steiner verwickelt. Darüber hinaus lobt Cramer diesen Großstadtroman, der mit dem Spannungsverhältnis zwischen Zeit und Zeitlosigkeit spielt, als "Ereignis der Saison".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.08.2013

Thomas Stangls "Regeln des Tanzes" ist ein politischer Roman, so viel steht fest, berichtet Christoph Schröder. Der Autor vermeidet allerdings einen Fehler, den politisch interessierte und engagierte Schriftsteller zuweilen begehen, erklärt der Rezensent: Stangl löst die politische Gegenwart - im Roman die Zeit des schwarz-blauen Kabinetts unter der FPÖ in Österreich - nicht in einem monochromen Panorama auf, sondern entwirft eine "gekonnte Choreografie von Dichotomien", lobt Schröder. Der Autor erzählt aus wechselnden Perspektiven die Geschichte zweier Schwestern, die sehr verschieden auf den politischen Wandel reagieren. Während die eine sich vom "Strom der Demonstrationen" mitreißen lässt, verliert sich die andere in ihrer eigenen Welt, zieht durch Kneipen und Schlafzimmer und betreibt in letzter Konsequenz ihre Selbstauslöschung, fasst der Rezensent zusammen. Stangl demonstriert großartig, wie sehr Welterkenntnis und mögliche Weltveränderung von der eigenen, zweifelhaften Selbsterfahrung abhängen, schwärmt Schröder.

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