War der Irokesenbund Vorbild und Ideengeber für die Verfassung der USA? Die kritische Neubewertung der kontrovers diskutierten Einflussthese zeigt, dass Institutionen herrschaftsloser Gesellschaften für die friedliche und demokratische Lösung drängender Weltprobleme relevant bleiben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.08.2005
Überaus spannend findet Ekkehart Krippendorf diese Arbeit Thomas Wagners, die der Frage nachgeht, ob die Indianer Geist und Buchstaben der amerikanischen Verfassung von 1787 mit beeinflusst haben. Eine Frage, die Krippendorf eine "massive Herausforderung an das gängige Selbstverständnis" nennt. Doch hält er Wagners Begründung der Einflussthese durchaus für plausibel, nicht nur weil Benjamin Franklin die beeindruckende Föderation der "sechs Irokensenstämme" zum Vorbild für das föderalistische Konzept des Bundesstaats gedient habe. Wagner untersuche zunächst die innere Verfassung der indianischen Gesellschaften und bringe sie auf den Begriff einer "egalitären Konsensdemokratie". Anschließend zeige er, dass das Verhältnis der nordamerikanischen Kolonisten zu den Indianern keineswegs überwiegend feindselig gewesen sei. Vielmehr habe die intime Erfahrung bei ihnen jene demokratisch-egalitäre, "anti-autoritäre" Haltung mit erzeugt, die sich dann revolutionär gegen England richtete. Als "reichhaltig und faszinierend, wenngleich nicht durchweg überzeugend belegt" bewertet Krippendorf Wagners Darstellung der Begegnung der Amerikaner mit der "politischen Kultur" der Indianer: "Die positiven Impulse sind zwar direkt für die säkulare Erfindung der föderalistischen Verfassung nicht nachweisbar - aber die These bekommt aus der Sicht Wagners eine nicht zu leugnende Plausibilität."
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