Thorsten Nagelschmidt

Arbeit

Roman
Cover: Arbeit
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2020
ISBN 9783103974119
Gebunden, 336 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

In einem Kreuzberger Hostel beginnt Sheriff seine Nachtschicht und fühlt sich mal wieder wie ein schlecht bezahlter Sozialarbeiter. Im Späti nebenan erlebt Anna den zweiten Überfall in diesem Jahr. An der Tür vom Lobotomy steht Ten und realisiert, dass ihm seine junge Familie durch seine Arbeitszeiten komplett zu entgleiten droht. Außerdem: Eine idealistische Notfallsanitäterin, eine zornige Pfandsammlerin und ein Drogendealer mit Zahnschmerzen, der sich fragt, ob er Freunde hat oder nur noch Stammkunden. Thorsten Nagelschmidt hat mit "Arbeit" einen Gesellschaftsroman über all jene geschrieben, die nachts wach sind und ihren Job erledigen, während Studenten, Touristen und Raver feiern. Temporeich erzählt er von zwölf Stunden am Rande des Berliner Ausgehbetriebs und stellt Fragen, die man beim dritten Bier gerne vergisst: Auf wessen Kosten verändert sich eine Stadt, die immer jung sein soll? Für wen bedeutet das noch Freiheit, und wer macht hier später eigentlich den ganzen Dreck weg?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.07.2020

Eine Sanitäterin, ein Taxi-Fahrer, ein Dealer, jugendliche Taschendiebe, zwei Polizisten auf Streife, eine Fahrradkurierin, eine Späti-Besitzerin und viele mehr - dieser Roman wirft die Leser*innen in eine feierwütige Berliner Freitagnacht, der er sich aber aus Sicht der Arbeitenden nähert, erzählt Judith von Sternburg. Trotz der Vielfalt an Figuren und der kleinteiligen Handlungselemente verliert Thorsten Nagelschmidt nie den Faden und spielt gekonnt mit der Erwartung von Zusammenhängen, lobt die Kritikerin. Ihr Fazit: ein "atemberaubend gegenwärtiger Roman".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2020

Patrick Bauer wird wehmütig zumute mit Thorsten Nagelschmidts Roman einer Berliner Nacht. Episodisch, zusammengehalten durch einen kauzigen Taxifahrer, erzählt der Text laut Bauer von Nachteulen, Dealern, Türstehern, Sanitätern und Streifenpolizisten. Entscheidend für das Gelingen findet Bauer die Authentizität der vielen unterschiedlichen Tonlagen, die der Autor für ihn deutlich hörbar der Wirklichkeit abgelauscht hat. Ein kluges, witziges, vielstimmiges Panorama mit viel Sogpotenzial, findet Bauer.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 07.05.2020

Einen "temporeichen Episodenroman" nennt dies Rezensentin Elke Schlinsog - und sie sieht den Film schon vor sich, der daraus entstehen könnte. Die Hauptrollen spielen das nächtliche Berlin und Menschen, deren Leben sich eher am Rande abspielen und die von anderem träumen als ihnen beschieden ist. Nicht im Taxifahren oder Bedienen im Späti, auch nicht im Flaschensammeln oder als Sanitäterin im Notfallwagen gehen ihre Identitäten auf. Die Kritikerin ist fasziniert, wie der Autor uns jene zeigt, die über den Rand hinaus träumen - und sich auch immer wieder selbst torpedieren. Sie lobt und empfiehlt uns die Bilder von den Menschen, denen sich Nagelschmidt in seinen Texten und nach vielen Gesprächen zugewandt hat.