Von Oberhausen der Nachkriegszeit und der beschaulichen Bergwelt Oberbayerns an die reichlich mit Fisch gedeckte Tafel des Kaisers von Japan, in Begleitung des heute noch amtierenden Kanzlers und so manchem anderen, der sich als strahlender Vertreter des New Germany empfindet - das ist der weitgespannte thematische Bogen dieses autobiografisch gefärbten Zustandsberichts unserer neuen-alten Republik. Spengler versucht, einen (nicht immer geradlinigen) Pfad durch das Dickicht eines nicht ganz untypischen bundesrepublikanischen Lebens zu schlagen. Eines rastlosen Lebens, das seinen vorläufigen Höhepunkt in dem gerade auflodernden Glanz der Ära Schröder erlebt. Unterwegs in den Kreisen der politischen und der kulturellen Eliten lernt der Erzähler das Hohe Lied des Unfertigen zu singen, lernt die Vollkommenheit dessen zu preisen, der sich seiner Unvollkommenheit stets bewusst bleibt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2001
Der Autor verfahre nach dem "Prinzip scheinbar unbeabsichtigter Zwanglosigkeit", charakterisiert Harald Eggebrecht das neue Episodenbuch von Tilman Spengler, das sich so unspektakulär wie hochtrabend zugleich den Titel "Meine Gesellschaft. Kursbuch eines Unfertigen" gegeben hat. Kunstvoll seien hier die insgesamt 62 Kapitel zu Episoden verknüpft, deren Übergänge fließend gestaltet seien, weil plötzlich in einer Geschichte Figuren aus einer anderen lauerten, wodurch man aber, meint Eggebrecht, immer tiefer in den Sog dieser scheinbar wahllos verknüpften Geschichten gerate. Für den Rezensenten eine Art "Spiegel-Labyrinth", das die Leser sowohl durch des Autors Oberhausener Kindheit wie ins Bayreuther Festspielhaus führt, pointierte Gesellschaftsanalysen kurz aufblitzen lässt, um sie dann ebenso elegant und raffiniert wieder zu verstecken. Wirkung zeitigen sie dennoch, meint Harald Eggebrecht.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 22.03.2001
Reinhard Baumgart sieht sich bei diesem Buch von "Schwindelgefühlen" übermannt, denn er weiß nicht zu entscheiden, wann es sich bei den 62 Abschnitten um authentischen Lebensbericht, wann um reines "Flunkern" handelt, aber schließlich ist er zu "erschöpft", um sich darum zu bekümmern. Er beschreibt den Autor als "Meister der leichten und falschen Töne", was durchaus positiv gemeint ist und preist sein humoristisches Talent, das ihm erlaube, auch weit Auseinanderliegendes "zusammenzuzwingen" und ihm so seine komischen Effekte zu entlocken. Und so fühlt sich Baumgart durch "so viel Trubel und Geistesgegenwart und kluger Spinnerei" zwar ein bisschen durch die Mangel gedreht, doch bleibt für ihn das Buch ein "reich splitterndes Selbstporträt", das trotz aller gescheiten Einfälle auch nicht "ohne Trauer" ist.
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