Übersetzt aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer. August 1947: Ein hochgewachsener Mann wird am Südbahnhof in Wien von Sowjetsoldaten in ein Auto gezerrt und nach Kiew geflogen. Er wird monatelang verhört, ein Jahr später ist er tot. Sein Name: Wilhelm Franz Joseph Karl von Habsburg-Lothringen. In seiner Biografie zeichnet Timothy Snyder das Lebensbild des schillernden Erzherzogs und ein bisher verschwiegenes Kapitel aus der Geschichte der Habsburger. Gegen den Willen seines Vaters, des polenfreundlichen Karl Stefan, wählte sich Wilhelm die Ukraine als Land seiner Sehnsucht, zeitweise gab es sogar Pläne, ihn zum König der Ukraine zu machen. Doch er war kein politischer Stratege, seine Zuneigung war eher romantisch-nostalgisch und ließ ihn immer wieder auch dubiose Bundesgenossen wählen. Dazwischen führte er das Leben eines bisexuellen Bonvivants - bis ihn der Zweite Weltkrieg wieder auf die Bühne der Weltgeschichte zurückführte und schließlich in die Keller von Stalin, wo er sein Ende fand.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2010
Gefesselt hat Cord Aschenbrenner Timothy Snyders Biografie von Wilhelm von Habsburg, dem jüngsten Spross eines Habsburger Nebenzweiges, der vor dem Ersten Weltkrieg anstrebte, König der Ukraine zu werden. Sehr eingenommen hat den Rezensenten die einfühlsame, dabei durchaus witzige Erzählweise des in Yale als Historiker lehrenden Autors, den er als talentierten, wenn auch mitunter "melancholischen Erzähler" lobt. Snyder schildert Wilhelm von Habsburg als "typischen Vertreter des Hochadels", der die Ukraine und ihre Selbstständigkeit zu seiner Herzensangelegenheit machte, während des Zweiten Weltkriegs als Spion gegen die Deutschen arbeitete, danach gegen die Sowjetunion und der schließlich in einem sowjetischen Gefängnis an Tuberkulose starb, wie Aschenbrenner wissen lässt.
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