Aus dem Italienischen von Olaf M. Roth. Wie wird es ausgehen, wenn ein Mädchen am Strand einen Illustrierten-Fragebogen zum Thema "Wenn Sie aus einem erotischen Traum erwachen" ausfüllt und dabei von drei braungebrannten, gutgebauten jungen Männern angesprochen wird? Oder: Was passiert, wenn zweien die letzte Tram gerade davonfährt, er romantisch durch die milde Sommernacht spazieren, sie aber so schnell wie möglich nach Hause zu handfesteren Beschäftigungen will und ihre ganze verbale Verführungskraft einsetzt? Oder: Welches Herz wird die Kreatur auf Lady Frankensteins Operationstisch wählen: das zynische oder das sentimentale? Tiziano Scarpas dicht geschriebene und raffiniert gebaute Erzählungen führen immer wieder in die Irre und nehmen überraschende Wendungen, die selbst den erfahrenen Leser verblüffen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2004
Gar nicht empfehlen kann Elke Bihusch Tiziano Scarpas neuen Erzählungsband "Was ich von dir will". Sie findet alles aufgesetzt und ungekonnt, geschwätzig und effekthascherisch, und auch die Figuren kommen über den Rang von Dampfplaudertaschen nicht hinaus. Was sie von dem Autor wollen soll, wird ihr nicht klar. Intime Detailbekenntnisse, die man gar nicht hören möchte - mit diesem Genre bleibt der italienische Autor sich treu, befindet die Rezensentin - aber das war's dann offensichtlich auch schon. Bihusch skizziert flüchtig eine Erzählung, die ihrer Meinung nach gelungenste; in dieser geht es um einen jungen Mann, der einen Mord begangen hat, bei der Resozialisation im Ferienlager aber lediglich von den drei Köpfen der Köchin - er findet "einen auf dem Hals und zwei vorne an der Brust" - schwärmt. Psychologisch eindringlich ist das nicht gerade, urteilt Bihusch, erotisch auch nicht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004
Bizarr, grob und ziemlich unwiderstehlich findet Jutta Person die Prosa des italienischen Pulp-Autors Tiziano Scarpa - der geneigte Leser sollte allerdings schon eine gewisse Sympathie für "Splatter-Humor" mitbringen. Dann aber könne es losgehen: Geschichten voller schräger Vögel, schüchterner Mauerblümchen (auf die hat Scarpa es besonders abgesehen) und unablässig fabulierender Verlierer. Manchmal wird es albern, schließlich geht der Autor mit seinen "Fleisch gewordenen Kalauern" nicht gerade sparsam um, doch die Rezensentin hat's nicht gestört. Ihre Meinung: Eine "großartige Sammlung literarischer Bizarrerien".
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