Wissenspraktiken, Milieustrukturen und gesellschaftliche Ausstrahlung der lokalen Naturforschung um 1900.
Tobias Scheideggers Studie charakterisiert die um 1900 florierende Wissensformation in der außeruniversitären Naturforschung - trotz ihrer punktuellen Kooperation mit Universitäten - als epistemisch und sozial eigenständigen Modus der Naturgeschichte. Das Forschungsinteresse dieser "Petite Science" galt der Inventarisierung und Sammlung lokaler Flora und Fauna. In den Hauptstädten ländlich geprägter Kantone ohne eigene Universität formierten sich lokale Wissensmilieus, deren institutionelle Stützen kantonale Naturforschervereine, Naturmuseen und Kantonsschulen bildeten.
Fallstudien aus fünf Kleinstädten zeigen, wie deren kollektive Forschungen durch Objektpraktiken, mediale Wirkweisen von Inventarisierung und Taxonomie sowie durch Gabenökonomien zusammengehalten wurden. Beleuchtet werden ebenso die häuslichen Sphären und Lebenswelten der Lokalforscher wie ihre spezifischen Raumpraktiken. Diese spielten eine wichtige Rolle in der Erfindung des Naturschutzes und der Konstruktion von "Heimat" um 1900 und sicherten der "Petite Science" gesellschaftliche Ausstrahlung bis weit ins 20. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.08.2017
Urs Hafner lernt beim Historiker Tobias Scheidegger die außeruniversitäre Naturforschung in der Schweiz um 1900 kennen. Episch nennt Hafner die umfangreiche Dissertation, akribisch und hingebungsvoll die Arbeit des Autors, der über 700 Seiten den roten Faden nicht verliert, wie der Rezensent staunt, und garniert mit sozialwissenschaftlichen Theorien ein dichtes Bild der eidgenössischen "bürgergestützten" Wissenschaft zeichnet. Am besten gefallen haben Hafner die plastischen Porträts der "provinziellen" Wissenschaftsenthusiasten, die der Autor mit Hilfe von reichem Archivmaterial anfertigt. Einige der vielen sich ihm beim Lesen stellenden Fragen hätte der Rezensent allerdings gerne beantwortet bekommen.
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