Ikea, Quelle, Aldi - viele westliche Firmen ließen in der DDR produzieren. 250 ostdeutsche Betriebe beschäftigten neben "freien" Arbeitern aber auch Häftlinge, darunter politische Gefangene. Diese verdienten daran kaum den Profit machten die Westkonzerne sowie SED-Firmen als Zwischenhändler. Möbel, Strumpfhosen, Schreibmaschinen, Fotokameras, Werkzeugkästen und Motorradteile stammten ganz oder teilweise aus Haftanstalten wie Halle oder Hoheneck, Bautzen oder Brandenburg. Das Versandhaus Neckermann etwa bezog Fernseher, der Stahlkonzern Mannesmann Eisenwaren und die Drogeriekette Schlecker Haushaltskerzen, die von Gefangenen gefertigt worden waren. Zumindest der Konzernleitung von Quelle war bekannt, dass Häftlingsarbeiterinnen die von ihr vertriebene Bettwäsche genäht hatten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2014
Mit diesem Buch wird eine Lücke geschlossen, freut sich Karl Wilhelm Fricke. Dass der Zwangsarbeit in der DDR so lange keine derart umfassende wissenschaftliche Arbeit gewidmet wurde, kann Fricke sich nicht erklären. Umso wichtiger, findet er, wenn der Historiker Tobias Wunschik nun unter einem eher reißerischen Titel eine daten- und faktensatte Untersuchung vorlegt und den Begriff Zwangsarbeit kritisch beleuchtet. Über die Struktur des DDR-Strafvollzugs und den Arbeitsalltag von Häftlingen im SED-Staat erfährt Fricke hier eine Menge und auch darüber, was mit den Erzeugnissen, vom Möbel bis zu Blutplasma, und den Devisen geschah. Dass Häftlingsarbeit in der DDR eine wichtige ökonomische Plangröße war, daran lässt der Band laut Fricke keinen Zweifel.
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