In den Jahren der deutschen Teilung entfaltete die DDR eine intensive Spionagetätigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland. Dabei verstand sie es geschickt, die Besonderheiten eines geteilten Landes für ihre Zwecke auszunutzen. Nach der Wiedervereinigung musste sich die bundesdeutsche Justiz mit diesem Kapitel deutscher Geschichte intensiv auseinandersetzen. Ausgehend von den hierbei gewonnenen Erkenntnissen untersucht die vorliegende Studie zunächst systematisch eine wesentliche Gruppe der damaligen Akteure: Bundesbürger, die sich als inoffizielle Mitarbeiter in den Dienst der DDR-Spionage stellten. Dabei tritt einerseits die Trivialität der Spionage immer wieder überraschend zutage. Andererseits zeigt sich, dass die "Westarbeit" des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit über die klassische Spionagetätigkeit weit hinausging, weshalb auch auf die Opfer der DDR-Spionage hingewiesen wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2007
Verdienstvoll scheint Rezensent Detlef Kühn diese umfangreiche Studie über "Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage", die Georg Herbstritt, Mitarbeiter der Birthler-Behörde, vorgelegt hat. Kühn bescheinigt dem Autor eine detaillierte Analyse der Sozialstruktur des IM-Netzes, der Methoden und Zielgruppen der Agentenrekrutierung, der professionellen Agentenwerber sowie der Ziele, Erfolge und Schwächen der DDR-Spionage. Neben der Auswertung von 499 Anklageerhebungen bzw. Ermittlungsverfahren, die nach der Wende gegen inoffzielle Mitarbeiter der Stasi aus der BRD geführt wurden, zieht Herbstritt nach Auskunft Kühns auch Akten der Generalbundesanwaltschaft heran. Er attestiert dem Autor außerdem eine genaue Auswertung der Forschungsliteratur sowie eine "kritische Analyse" der Erinnerungsliteratur von inoffiziellen und hauptamtlichen Stasimitarbeitern. Schließlich hebt er die Auffassung Herbstritts hervor, dass trotz der etwa 12.000 Bunderbürger, die als Agenten der DDR tätig waren, von einer Unterwanderung der Bundesrepublik nicht die Rede sein könne.
Mit viel Interesse hat Rezensent Toralf Staud diese Studie über westdeutsche Stasi-Mitarbeiter gelesen. Zu den Pluspunkten zählt er die Tatsache, dass der Autor in großer Nähe zur Birthler-Behörde gearbeitet hat, und so freien Zugang zu den Quellen hatte. Aber auch deren Auswertung findet der Rezensent recht aufschlussreich. Staud staunt, dass so viele SPD-Mitglieder für die Stasi aktiv geworden sind. Bei CDU-Mitgliedern habe wohl weniger die Gesinnung als das Geld den Hauptmotor der Aktivitäten dargestellt. Zufrieden protokolliert unser Rezensent zudem, das 75 bis 90 Prozent der Anwerbungsversuche den Ergebnissen dieser Studie zufolge gescheitert seien.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007
Erhellend findet Rezensent Cornelius Wüllenkemper diese umfassende Studie über "Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage" von Georg Herbstritt. Dass der Autor darauf verzichtet, die sattsam bekannten spektakulären Fälle noch einmal aufzuwärmen, kann er nur begrüßen, zumal das Buch auch so überaus interessant ausfällt. Bei der Lektüre hat er eine Menge erfahren über die Systematik der West-Spionage, die Sozialstruktur des Spitzel-Netzes, das persönliche Profil der Agenten, den oft banalen Spionage-Alltag, die Methoden der Anwerbung und die Motivlage der Angeworbenen. Lobend äußert er sich auch über den nüchtern-sachlichen Stil des Autors.
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