1965: Die Wirtschaftsreformen der SED, die im Schatten der Mauer eingeleitet worden waren, wurden von einer zaghaften Öffnung hin zu einem vielfältigen "geistigen Leben" begleitet. Das Neue Ökonomische System strebte nach mehr Dynamik und Eigenverantwortlichkeit. Die vom MfS gemeldeten Störungen und Havarien lieferten Munition für den SED-Apparat, der um seine Macht fürchtete. Jugendliche wurden zum Protest provoziert, um reformorientierten Politikern Kontrollverlust vorzuwerfen. Am Ende des Jahres stand das 11. Plenum des ZK der SED, auch als "Kahlschlag-Plenum" bekannt, auf dem der neuen Generation Musik und Hoffnung, den Künstlern Freiheit und Filme und der Wirtschaftsreform das Rückgrat genommen wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2018
Joachim Scholtyseck gibt zu, dass Bernd Floraths kontextualisierende Einleitung das Highlight des Bandes ist. Die vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR herausgegebenen Bände zur Stimmung der DDR-Bevölkerung im typischen Apparatschik-Sprech der Stasi sind für den Rezensenten deprimierende und ermüdende Lektüre. Der neue Band für das Jahr 1964 behandelt laut Scholtyseck auch noch ein recht ereignisloses Jahr. Es geht um das Passierscheinabkommen, Baumängel und Störungen in der Völkerfreundschaft zwischen polnischen Vertragsarbeitern und Einheimischen. Die Stasi-Berichte darüber schwanken zwischen Hilflosigkeit und Verweigerung der Ursachenanalyse, stellt der Rezensent betrübt fest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.08.2015
Arno Widmann liest die seit 2009 erscheinenden Geheimberichte der SED mit Gewinn. Die von der Herausgeberin Daniela Münkel besorgte Reihe jeweils mit Einleitung, Vorwort und CD-ROM zeigt ihm, wie sich das Berichtwesen der Stasi in den Jahren veränderte, und macht ihm bewusst, dass er es hier nicht mit "reinen" Daten zu tun hat, sondern mit von Mielke gesteuerter Schönfärberei. Im von Bernd Florath herausgegebenen Band für das Jahr 1965 zeigt sich für Widmann der Informationsdienst der Stasi einmal mehr als Desinformationsdienst. Alles, vom Unfall über die Konservenindustrie bis zum Rockkonzert, wollte man verstehen und unter Kontrolle haben, erfährt der Rezensent und staunt, wie das bloß gehen sollte.
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