"Wir hatten den Bärlauch / gefangen, er war grün und schrie nicht" - zurück von seinen poetischen Streifzügen durch unsere Welt, breitet Tom Schulz in Kanon vor dem Verschwinden seine Beute, seine Schätze aus: Gedichte, die das ganze Spektrum der Tonlagen, die Könnerschaft dieses Lyrikers offenbaren. Er kann und will zum Glück nicht anders - mit Tom Schulz hat die Oberlausitz einen Lyriker hervorgebracht, aus dessen Gedichten eine bezwingende Notwendigkeit spricht. Jenseits jeder künstlerischen Attitüde setzt sich hier ein hochreflektiertes lyrisches Ich der Welt aus und erzählt davon in Bildern, die assoziative Fülle und präzise Beobachtung in sich vereinen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2010
Hans-Peter Räkel fürchtet sich ein wenig vor diesen Texten. Schaurig schön, kann man sagen, ist sein Empfinden beim Lesen der Gedichte von Tom Schulz. Die Angst, die Dinge zu benennen geht einher mit Umdeutungen und surrealistischen Kalauern, die Räkel wieder Spaß machen. So wird der Kanon vom Verschwinden wieder eine Feier des Lebens, findet Räkel. Und dann und wann ein Gedicht so schön, dass der Rezensent sich die Augen reibt. Ein zärtliches Gefühl plötzlich. Die Pole also, zwischen denen Schulz sich bewegt, so klärt Räkel, seien Furcht und Liebe. Und wo ein Haupt- oder Aussagesatz dem eigentlichen Niveau des Dichters nicht ganz gerecht wird, nimmt sich der Rezensent die Freiheit, einfach drüberwegzulesen.
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