Tom Shippey

J. R. R. Tolkien - Autor des Jahrhunderts

Cover: J. R. R. Tolkien - Autor des Jahrhunderts
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2002
ISBN 9783608934328
Gebunden, 393 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Tom Shippey legt hier die Summe seiner Tolkien-Forschung vor. Er weist nach, dass Tolkien weniger einen Abenteuerroman schreiben wollte, sondern eine linguistische Fantasy, dass der Ursprung seiner Geschichte in Wörtern begründet liegt. Anhand einer sprachgeschichtlichen Analyse des Hobbit-Namens Baggins (deutsch Beutlin) und der Untersuchung des Sprachstils der Hobbits weist Shippey nach, dass die Auenlandbewohner in Mittelerde einen Anachronismus darstellen, dass sie "moderne" Figuren und als Zeitgenossen Tolkiens zu sehen sind. Shippey, der Tolkiens Werk in einem Atemzug mit dem von James Joyce nennt, findet zudem scharfe Worte für die Literaturkritik, die für 90 Prozent dessen, was die Leser lieben, kein Interesse zeigt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.04.2002

Tom A. Shippey ist Mediävist und war Nachfolger auf Tolkiens Lehrstuhl in Leeds. Mit seiner Studie zu Tolkien und seinem Hauptwerk "Der Herr der Ringe" hat er nichts Geringeres im Sinn als die Umstülpung des literarischen Kanons. Das Phantastische überhaupt, so seine These, sei der "vorherrschende literarische Modus" des letzten Jahrhunderts gewesen und "Der Herr der Ringe" der bedeutendste Roman. Anschaulich machen will Shippey das im Vergleich mit James Joyces' "Ulysses" (allein die Nennung im selben Atemzug ist, wie er sofort zugibt, eine "Blasphemie"). Der eigentliche Angriff gilt dabei einer "Ideologie der Moderne", die den Menschen aus der "individuellen moralischen Verantwortung" entlassen wollte. Tolkien dagegen mache die Kräfte des Guten und Bösen im neu geschaffenen Mythos erlebbar. Walter Klier, der weitgehend referierende Rezensent, sieht dem bilderstürmerischen Treiben nicht ohne Sympathie zu - und das, obwohl er sich, wie er am Ende einzuräumen scheint, "für Zwerge und Drachen" im Grund herzlich wenig interessiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2002

Der Oxford-Professor Tom Shippey, "einer der besten Kenner" des Werks von J. R. R. Tolkien, zeigt mit seiner profunden Abhandlung über die Schriften des um 1890 geborenen Exzentrikers, wie sorgfältig der an seinem Werk gestrickt hatte, meint Rezensent Elmar Schenkel. Die Eingangsthese des Autors, das Fantastische sei der vorherrschende Modus in der Literatur des 20. Jahrhunderts, hat Schenkel zwar erstaunt. Aber ihm ist das Anliegen Shippeys, die Fantasy gegenüber anderen literarischen Gattungen endlich aufzuwerten, durchaus sympathisch. Zumal in Tolkiens Werk viel mehr Zeitgenössisches stecke, als die Geschichten bei oberflächlicher Betrachtung nahelegten. Besonders gelungen findet Schenkel Shippeys Analysen der Namen im "Herr der Ringe", lobt aber auch die genaue Beschreibung der handwerklichen Arbeit des großen Erzählers. Überzeugend zeige der Autor, dass Tolkien mehr verdient habe als eine reflexhafte Abfertigung aus der snobistischen Sicht von Akademikern und Literaten.
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