Tom Shippey legt hier die Summe seiner Tolkien-Forschung vor. Er weist nach, dass Tolkien weniger einen Abenteuerroman schreiben wollte, sondern eine linguistische Fantasy, dass der Ursprung seiner Geschichte in Wörtern begründet liegt. Anhand einer sprachgeschichtlichen Analyse des Hobbit-Namens Baggins (deutsch Beutlin) und der Untersuchung des Sprachstils der Hobbits weist Shippey nach, dass die Auenlandbewohner in Mittelerde einen Anachronismus darstellen, dass sie "moderne" Figuren und als Zeitgenossen Tolkiens zu sehen sind. Shippey, der Tolkiens Werk in einem Atemzug mit dem von James Joyce nennt, findet zudem scharfe Worte für die Literaturkritik, die für 90 Prozent dessen, was die Leser lieben, kein Interesse zeigt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.04.2002
Tom A. Shippey ist Mediävist und war Nachfolger auf Tolkiens Lehrstuhl in Leeds. Mit seiner Studie zu Tolkien und seinem Hauptwerk "Der Herr der Ringe" hat er nichts Geringeres im Sinn als die Umstülpung des literarischen Kanons. Das Phantastische überhaupt, so seine These, sei der "vorherrschende literarische Modus" des letzten Jahrhunderts gewesen und "Der Herr der Ringe" der bedeutendste Roman. Anschaulich machen will Shippey das im Vergleich mit James Joyces' "Ulysses" (allein die Nennung im selben Atemzug ist, wie er sofort zugibt, eine "Blasphemie"). Der eigentliche Angriff gilt dabei einer "Ideologie der Moderne", die den Menschen aus der "individuellen moralischen Verantwortung" entlassen wollte. Tolkien dagegen mache die Kräfte des Guten und Bösen im neu geschaffenen Mythos erlebbar. Walter Klier, der weitgehend referierende Rezensent, sieht dem bilderstürmerischen Treiben nicht ohne Sympathie zu - und das, obwohl er sich, wie er am Ende einzuräumen scheint, "für Zwerge und Drachen" im Grund herzlich wenig interessiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2002
Der Oxford-Professor Tom Shippey, "einer der besten Kenner" des Werks von J. R. R. Tolkien, zeigt mit seiner profunden Abhandlung über die Schriften des um 1890 geborenen Exzentrikers, wie sorgfältig der an seinem Werk gestrickt hatte, meint Rezensent Elmar Schenkel. Die Eingangsthese des Autors, das Fantastische sei der vorherrschende Modus in der Literatur des 20. Jahrhunderts, hat Schenkel zwar erstaunt. Aber ihm ist das Anliegen Shippeys, die Fantasy gegenüber anderen literarischen Gattungen endlich aufzuwerten, durchaus sympathisch. Zumal in Tolkiens Werk viel mehr Zeitgenössisches stecke, als die Geschichten bei oberflächlicher Betrachtung nahelegten. Besonders gelungen findet Schenkel Shippeys Analysen der Namen im "Herr der Ringe", lobt aber auch die genaue Beschreibung der handwerklichen Arbeit des großen Erzählers. Überzeugend zeige der Autor, dass Tolkien mehr verdient habe als eine reflexhafte Abfertigung aus der snobistischen Sicht von Akademikern und Literaten.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…