Aus dem Litauischen von Claudia Sinnig und Dürs Grünbein. Ein Dichter kehrt nach Jahrzehnten der erzwungenen Abwesenheit zurück in das polnisch-litauisch-weißrussische Grenzgebiet und blickt über das "schmale geduldige Land, von der Nacht schon erdrückt" - eine Landschaft, in deren von Geschitsgewalt verzerrten Zügen das zarte Gesicht des im Wasser sich spiegelnden Kindes kaum mehr zu ahnen ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2008
Wir kennen Joseph Brodsky und Czeslaw Milosz, aber nicht den dritten im Bunde: Rezensentin Ilma Rakusa nimmt daher diesen Band mit großer Freude auf, der sie den litauischen Dichter Tomas Venclova entdecken ließ - einen "modernen Klassiker im besten Sinne", "meisterlich" übertragen von Claudia Sinnig und Durs Grünbein. Wie Milosz und Brodsky sei auch er eher ein Elegiker mit "schwermütigem Naturell", geprägt von seiner Zeit in Russland und seiner Bekanntschaft mit Boris Pasternak, Nadeschda Mandelstam und Anna Achmotowa, wie Rakusa informiert. Als "zeitgenössisch und doch unzeitgemäß" charakterisiert die Rezensentin Venclovas Gedichte, in denen es ihrer Darstellung zufolge meist um winterliche Landschaften, Freundschaften, Gedächtnis und Zeit geht. Dabei ist sie oft auf einen "feinen spöttischen Witz" getroffen, aber nie wie sie betont, auf Sarkasmus.
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