Mit 116 Abbildungen in Duplex. Mit einem Text von Nancy Spector. "Schwarzes Licht" nennt der Schriftsteller Francois Aubral die Bildsprache Touhami Ennadres. Dessen Fotografie beabsichtigt keine Reproduktion, keine Wiedergabe der so genannten Wirklichkeit. Ennadre verzichtet in seiner Kunst auf alles narrative Beiwerk und zeigt das Konzentrat seiner Bildsujets, die in tiefes Schwarz getaucht sind. Seit einigen Jahren arbeitet Touhami Ennadre immer wieder in New York. Auch am 11. September 2001 war er in der Stadt. Mit einer Serie von Fotografien, die auf der Documenta11 große Beachtung fand, reagierte der Künstler auf das schockierende Ereignis. Von subtiler Sinnlichkeit sind die Aufnahmen aus New Yorker Clubs, mit deren Realisierung er kurz nach dem Anschlag in der noch traumatisierten Stadt begann. New York Nightclub, New York Nine-Eleven, Under New York und Trance heißen die vier Bildsequenzen seines neuen Buches.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.10.2004
Mit diesem Band, so der G. K. zeichnende Rezensent, erbringt der Fotograf Touhami Ennadre den Beweis, dass die Farbe Schwarz steigerbar ist - und zwar ins Dunkel. Ausgangspunkt dieses Experiments sei die schwarze Hautfarbe der Protagonisten, die Ennadre ins Zentrum seiner vier Bilderzyklen rücke: Ob in den verrauchten New Yorker Jazzkellern, deren sinnliche Körperlichkeit Ennadre in eine so völlige Dunkelheit, ein so "pathetisch gesteigertes Schwarz" taucht, dass der Lichtschimmer auf der schwarzen Haut zum hellsten Farbton wird, oder in den - schon auf der documenta ausgestellten - Porträts schockierter Passanten kurz nach dem Einsturz der Türme des World Trade Centers, oder in den Aufnahmen von schlafenden Obdachlosen, die als zugeschnürte "Stoffpakete" ihre Menschlichkeit und Individualität einbüßen, oder auch in den Szenen einer "rätselhaft schaurigen" Voodoo-Zeremonie, aus denen etwas "qualvoll Unerlöstes" spricht - Ennadre zeigt, so das lobende Fazit des Rezensenten, wieviel Dunkelheit nach dem Schwarz kommt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.09.2004
Ulf Erdman Ziegler ist von Touhami Ennadres Foto-Essays und ihrer beinahe bestürzenden Ausdruckskraft beeindruckt. Zum Beispiel "New York Nine- Eleven": Hier seien ganz andere Bilder zu sehen, als sie die bald nach dem Ereignis einsetzende "Volksfotokultur" ("die Zettelchen und Fotos und Kerzen auf der einen, die trotzigen nationalen Gesten auf der anderen Seite") hervorbrachte. Ennadre, schreibt der Rezensent, "klopft die Klischees ab, bis die Zeit stillsteht, so dass die Regung in den Gesichtern sich dagegen um so eindringlicher zeichnet, eine Regung kurz vor der Versteinerung". Beispiel "New York Nightclubs": "Man fragt sich, wie der Fotograf mit seiner plumpen Apparatur so tief hineinschauen konnte ins Dunkel der Zweisamkeit." Der in Marokko geborene Fotograf, der sich Handwerk und Kunst selber beibrachte, verwendet Taschenlampen, um die besondere Lichtatmosphäre seiner Bilder herzustellen, erzählt Ziegler. Die Wirkung, so der Rezensent "ist die eines mobilen Studios; ein vom Klassischen ins Archaische zurückgeworfener Irving Penn". Missfallen hat Ziegler nur der Essay von Nancy Spector, den er mit einer spitzen Bemerkung als banal abhakt.
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