Tristan Egolf

Ich und Louise

Roman
Cover: Ich und Louise
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518414286
Gebunden, 239 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert. Die letzte Mucke: gestern noch bei den Streichern der Philzharmoniker, heute im Vorprogramm einer ranzigen Heavy-Metal-Band. Eine Katastrophe. Ausgegeigt. Charlie Evans will nur noch weg, raus aus Philz Town. Also erstmal die Kasse auffüllen. Für den heftigsten Job in der Stadt gibt's am meisten Geld, denn die Sache ist nicht sauber: Ratten killen im Akkord, und zwar in der städtischen Kanalisation. Charlie goes underground, zusammen mit seinem Kumpel Tinsel Greetz, der sich an seiner stabilen Pechsträhne durchs Leben hangelt. Im Lauf der Nacht, in der sie die unverhofft reichlichen Ratten-Dollars in Hochprozentiges umsetzen, lassen sie keinen Zusammenstoß aus...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2003

Peter Körte ist genervt. Irgendwer, vermutet er, müsse dem Verlag eingeredet haben, dass es automatisch hip sei, sobald einer pittoreske Outlaw-Milieus mit vermeintlich cooler sprachlicher Beschränktheit und reichlich Dreck kombiniert. In der Welt von Egolfs "Asseln" - so die Bezeichnung des Ich-Erzählers für sich und seine Freunde - werde zwar "gerotzt, gesoffen und gekotzt wie bei Charles Bukowski", aber guten Trash ergebe das noch lange nicht - da könne der Autor noch so viele übertrieben eigenartige Bilder aufeinander loslassen. Guter Trash nämlich, geht der Zeigefinger des Rezensenten in die Höhe, sei vor allem ein "Rezeptionseffekt". Und nicht das Ergebnis übertriebenen Pulp-Ehrgeizes. Vor allem nicht, findet er, wenn man ansonsten uninteressiert an seinen Figuren ist und eigentlich nichts zu erzählen hat. Also haut er Egolf seine "stark vergorene Underground-Folklore" um die Ohren und ruft ihm noch ein kräftiges "Poser!" hinterher.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.04.2003

"Ein Roman wie aus einem Cultural-Studies-Reader entsprungen", zieht Gustav Mechlenburg das Fazit gleich im ersten Satz. Womit er sagen will: Randgruppen und komische Gestalten, wohin das Auge des Lesers blickt. Unter anderem der Erzähler Charlie Evans, ein Geige spielender afrikanisch-kambodschanischer Amerikaner, und sein anarchistischer Freund Tinsel, die irgendwann als Rattenkiller beschäftigt sind, bevor sie von einer Frau wie aus dem Märchen in die Klasse der obersten Zehntausend eingeführt werden. Die Katastrophe komme verlässlich, auch an "Tempo, Skurrilität und infernalischer Sprache" mangele es nicht, nur leider an Substanz. Und das, erinnert sich Mechlenburg, war bei Egolfs erstem Roman "Ein Monument für John Kaltenbrunner" ganz anders. Der Nachfolger sei zwar recht kurzweilig, wirke aber "wie eine nachträgliche Vorstudie". Souverän verfertigter Trash, nicht mehr.

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