Aus dem Englischen von Dirk Höfer. Wie indigenes Wissen die Welt retten kann. Eine Erzählung der Welt aus Sicht der Aborigines. "Sand Talk" beschert dem Leser nichts weniger als einen Wechsel der Perspektive, von der aus wir die Krisen der modernen Welt betrachten und neu beurteilen können. Tyson Yunkaporta, Angehöriger des im australischen West Cape York beheimateten Apalech-Clans und Professor für Indigenes Wissen, vermittelt in diesem an Geschichten reichen Buch das tiefe, komplexe und prozesshafte Wissen der Aborigines. Ein Wissen, das aus der innigen und symbiotischen Beziehung zum Land und zu den Ahnen besteht und auf dem Denken in Geschichten und dem Erkennen von Mustern beruht. Es ist flüchtig wie die Zeichnungen, die bei den Zwiegesprächen oder den Unterhaltungen in der Gruppe in den Sand gezeichnet werden, und zugleich umfassend wie die Traumzeit. Es ist aber auch ein Wissen, das durch die westliche Zivilisation verheert wurde, die die weiten Gebiete Australiens ausgeplündert und die Kultur der Aborigines, die sich als Hüter des Landes verstehen, marginalisiert und verstümmelt hat. Yunkaporta macht dieses verschüttete Wissen lebendig und sucht in den Mustern der indigenen Kultur nach Möglichkeiten, die Moderne auf den Weg der Nachhaltigkeit zu führen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.10.2021
Zahlreiche Ausstellungen, TED-Talks und Bücher widmen sich aktuell "indigenem Wissen", dabei gibt es 5000 Völker, die als indigen bezeichnet werden, weiß Rezensent Hernan D. Caro. Von solchen Kategorisierungen hält er nichts, muss nach der Lektüre von drei Büchern zum Thema aber doch feststellen: Es gibt indigene "Leitgedanken", die er in seiner Kritik mit vielen Zitaten, ohne weiter nachzuhaken, wiedergibt. Sowohl der brasilianische Schriftsteller Ailton Krenak als auch die amerikanische Ökologin Robin Wall Kimmerer sowie der australische Professor für "Indigenous Knowledges", Tyson Yunkaporta, verstehen Natur als "allumfassenden Organismus", lehnen den Anthropozentrismus ab und sehen den Menschen in einer moralischen Verpflichtung der Natur gegenüber, erkennt er. Davon ausgehend untersucht Yunkaporta "globale Systeme" aus indigener Perspektive, sein Grundgedanke ist dabei die Verbundenheit zwischen Mensch, Umwelt und Kosmos, erläutert Caro. Der mitunter ein wenig komplizierten Lektüre entnimmt er beispielsweise, wie unsere Justizsysteme mit dem Wissen der Aborigines wirkungsvoller werden könnten - etwa durch härtere und schnellere Strafen.
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