Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2001
Tobias Döring stellt zwei aufschlussreiche Studien über "die Rolle des Wilden" vor: "Die Konstruktion kolonialer Wirklichkeit" von Sabine Hofmann und "Die Gabe der Zivilisation" von Ulla Haselstein. Wenn Europäer auf Entdeckungsreise gingen, hatten sie stets "Kleinigkeiten" wie Kämme, Scheren und Bücher dabei, um diese an Wilde zu verschenken, hat Tobias Döring in den "komplexen Ausführungen" der Autorin Uta Haselstein gelesen. Diese hat, so der Rezensent, anhand von drei Fallstudien den Kulturaustausch zwischen Europäern und Ureinwohnern untersucht. Diese untersuchten Texte hätten gemeinsam, dass "historische Mittlerfiguren" als Gefangene oder Geflohene "koloniale Grenzen" überschritten und dabei regen Tausch betrieben. Aus Sicht der Zivilisierten habe dabei "jede noch so wertlose Spiegelscherbe" als Mitbringsel aus der zivilisierten Welt dienen sollen. Die Darstellungen der Autorin ließen sich als "Zeugnis des Betrugs an unschuldigen Naturmenschen" lesen, resümiert Döring, der der Verfasserin "mit Spannung" gefolgt ist.
Spannend und interessant findet der Rezensent mit dem Kürzel tlm. diese Habilitationsschrift der Amerikanistin Ulla Haselstein, die fiktionale und nicht-fiktionale Texte über Indianer aus dem kolonialen Amerika analysiert. Haselstein beschäftigt sich anhand von überlieferten Texten damit, wie damals die Auseinandersetzung zwischen "den Wilden" und "den Zivilisierten" geführt wurde. Wie die Autorin dieses Thema angeht, ist für den Rezensenten vor allem aufgrund der "scharfsinnigen historischen und theoretischen Rück- und Ausblicke" interessant und für ihr Fazit benutzt er dementsprechend große Worte: das Buch ist in seinen Augen ein "intensives Erlebnis der Erkenntnis".
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