Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.11.2000
Eva Marz verweist gleich als erstes auf Foucaults "Geschichte der Sexualität", die sie als Vorläufer jener 12 "Poetologien des Wissens" begreift, die der Weimarer Professor für künstliche Welten, Vogl, zusammengestellt hat. Die gemeinsame Fragestellung lautet: welchen Machtmechanismen unterliegt die Entstehung von Wissen, warum werden bestimmte Phänomene als gesellschaftlich relevant erkannt und erforscht, wie kommt es zur Institutionalisierung dieser Forschung? "Wissenschaftliche Erkenntnis ist ein Produkt kollektiver Intentionen", schreibt Marz. Die Geschichte des Wissens schlage sich äußerst facettenreich nieder: von der Entstehungsgeschichte des ersten elektrischen Telegraphen, über die "Politik des Autobiographischen" bis hin zu einem Aufsatz des Herausgebers über Goethes "Wahlverwandtschaften" reicht das von Marz beschriebene Spektrum des Buches. Vogls Lektüre des Goethe-Romans fand Marz fast besonders anregend, da er das "kulturelle Kräftefeld jener Krisenzeit um 1800" vermisst, in der sich der Umbruch zur Moderne und die Etablierung von Wissen vollzieht.
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