Ulla Lenze

Der kleine Rest des Todes

Roman
Cover: Der kleine Rest des Todes
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2012
ISBN 9783627001797
Gebunden, 160 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Seit ihr Vater bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt ist, ist auch Ariane irgendwie nicht mehr da. Und die rauschende Stille der indischen Palaniberge, in denen sie Monate in einem Zen-Kloster verbracht hat, scheint Lichtjahre entfernt. Spätestens als sie eines Morgens unter dem Fenster ihres Liebhabers erwacht, weiß sie, dass mit ihr etwas nicht stimmt. Doch wie ließe sich vernünftig und gradlinig leben, wenn doch der Tod sich nicht ins Leben einfügen will, wenn doch immer ein Rest bleibt: die Erinnerung an ein letztes Winken am Bahnsteig, die befremdliche Präsenz der gespeicherten Nachrichten des Anrufbeantworters und die quälende Frage, ob der eigene Vater bei vollem Bewusstsein verbrannt ist. Während sich Mutter und Schwester um die bürokratische Abwicklung des Todesfalls kümmern, ist Ariane auf der Suche nach Halt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2012

Kai Sina zeigt sich von Ulla Lenzes Roman, in dem eine ohnehin aus der Bahn geratene, hochsensible Doktorandin durch den Tod ihres geliebten Vaters vollends den Halt verliert, tief beeindruckt. Dass Trauer durch die Kunst des Erzählens überwunden werden kann, diesem küchenpsychologischen Klischee ergibt sich die Ich-Erzählerin gar nicht erst, die hält vielmehr die Momente der Trauer fest, mal in präzisen Beobachtungen, mal in expressionistisch anmutenden oder extrem intensiv empfundenen Beschreibungen, so der Rezensent. Gerade in den vielen Tonlagen der Erzählerin liegt für Sina der große Reiz dieses Romans, und sie heben ihn durch die "ganz eigene Stimme" auch aus dem vielstimmigen Chor der Trauerbücher hervor, die die deutschsprachige Gegenwartsliteratur in so erstaunlicher Anzahl hervorbringt, wie dem Rezensenten aufgefallen ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012

Als Zumutung hat offenbar Christoph Schröder Ulla Lenzes Roman über die "Trauer-Terroristin" Ariane in "Der kleine Rest des Todes" empfunden und wirkt doch von der Entfaltung dieser radikal egoistischen Trauer fasziniert. Ariane verliert ihren Vater und sieht hintereinander zwei Liebesbeziehungen scheitern und ihre Trauerreaktionen werden in immer neue, sich steigernde Höhen getrieben, stellt der Rezensent fest. Dabei entwickle die Protagonistin eine Empfindungssensibilität und ein Vokabular des Pathos, das Schröder einige Bewunderung abringt. Wie Lenze aus ihrer Heldin, die sich eben noch in einem Zen-Kloster um Ichlosigkeit bemüht hat, den "hemmungslosen Egoismus" herausarbeitet, der die Trauernde in immer höher geschraubte "Selbststilisierung" treibt, fesselt den Rezensenten durchaus, allerdings sieht er hier irgendwann das Limit des "literarisch Zumutbaren" erreicht.
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