Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. Waren Sie schon einmal in Japan? Wenn ja, haben Sie das sicher auch erlebt: Egal, wie gut man sich vorbereitet hat, wird man unweigerlich in eine Fülle von Fettnäpfchen treten. Dass die Höflichkeit der Japaner*innen gebietet, darüber hinwegzusehen, macht es noch peinlicher. Da hilft nur eins: Sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Dann entdeckt man eine Welt, die noch viel fremder und faszinierender ist, als man sich vorstellen kann.
Rezensent Ralph Trommer staunt über Catherine Meurisses unverkrampfte Erkundungstour der japanischen Natur und Kultur. In ihrer neuen Graphic Novel schickt die Charlie-Hebdo-Karikaturistin, die den Anschlag 2015 Trommer zufolge nur knapp überlebte, ihr Alter Ego nach Japan, wo die Figur verschiedenen Menschen und Tieren begegnet, die zum Teil an alte japanische Sagen und Fabelwesen angelehnt sind - so zum Beispiel das sprechende Tanuki, das der unerfahrenen Zeichnerin viel über Japan und die Zeichenkunst erklärt. Wie Meurisse in "spielerischem" Wechsel zwischen einem realistischen und einem fantastischen Modus eine Begegnung von Ost und West inszeniert, findet Trommer in seiner Leichtigkeit bewundernswert - kein angestrengtes Einarbeiten in die Materie, sondern ein "zwangloser Schnupperkurs", lobt er. Neben den gewohnt karikierenden Figurenzeichnungen gefallen ihm dieses Mal vor allem Meurisses Hintergrundbilder der "berückend" schönen japanischen Landschaft, die die Zeichnerin mit "feinster Aquarelltechnik" einfange - hier gelinge ihr eine Hommage an die alte japanische Kunst der Farbholzschnitte, schwärmt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2022
Rezensentin Laura Weißmüller gefällt Catherine Meurisses Graphic Novel "Nami und das Meer" sehr gut. Die 42-jährige Autorin schafft es darin, den Zwiespalt einer französischen Zeichnerin in Japans altmeisterlich gezeichneten, naturreichen Landschaft darzustellen, so die Kritikerin. Die Heldin, die sie unverweigerlich an die Autorin erinnert, sieht und hört hier genau hin, so dass selbst das Geräusch der Hausschuhe einer alten Japanerin für die Kritikerin plastisch wird. Das ist Weißmüller zufolge ab und zu auch witzig, zeigt aber vor allem den enormen Zwiespalt des Landes zwischen der Natur als Bestandteil der Kultur ,und ihrer Gewalt, die in Zaum gehalten werden muss. Und auch, wenn Weißmüller durch einige der Darstellungen an die Holzschnitzkunst Hokusais erinnert wird, erkennt sie den eigenen, vertraut-fremden Blick Meurisses auf das Land. Das ist ein motivreiches und geeignetes Buch, um sich mit der Natur und ihrer Wirkung auseinanderzusetzen, schließt die Rezensentin.
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