Ulrich Barth

Religion in der Moderne

Systematische und problemgeschichtliche Studien
Cover: Religion in der Moderne
Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2003
ISBN 9783161479168
Broschiert, 512 Seiten, 39,00 EUR

Klappentext

Der Begriff der Religion bildet das gedankliche Organisationszentrum der Theologie. Religion als Phänomen erschließt sich hingegen nur in einer Vielfalt interdisziplinärer Theoriebezüge. Ulrich Barth verfolgt in den hier gesammelten Studien eine zugleich transzendentale und kulturwissenschaftliche Grundlegung, wobei der Sinnbegriff den gemeinsamen Bezugspunkt bildet. Der Autor zeigt, dass Religion auch im ethischen und ästhetischen Sinne eine Grundform menschlicher Deutungskultur darstellt. Er nähert sich dem Thema in fünfzehn Einzelstudien, die in fünf große Kapitel, Religion und Sinn, Religion und Moderne, Religion und Subjektivität, Religion und Autonomie und Religion und Naturwissenschaft, eingeteilt sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2003

Die Religionstheorie, weiß Johann Hinrich Claussen, wird von der protestantischen Theologie zumeist stiefmütterlich behandelt. Umso bemerkenswerter findet er die Aufsatzsammlung von Ulrich Barth, der nicht nur gegen die "Religionsvergessenheit" der Theologen anschreibe, sondern auch gleich einen umfassenden und eigenständigen theoretischen Entwurf vorlege: Religion als Form der Verleihung von Sinn, und zwar eines "unbedingten" Sinns. Barths "theologischer Interpretationismus" bedient sich dabei sehr überzeugend der "Erkenntnis-, Subjektivitäts-, Kultur-, Gesellschafts- und Moraltheorie" und hebt damit zugleich die protestantische Theologie wieder auf die Augenhöhe dieser philosophischen Disziplinen, schreibt Claussen. Doch bei aller Verheißung: Gerade Barths überzeugendes Theoriegebäude mache das Ausmaß der Krise deutlich, die den "religiösen Sinn" befallen habe. Denn erstens, so Claussen in Bezug auf Barth, fehle der religiösen Deutungskultur der Ort (Gottesdienst? - eher nicht), und zweitens gebe es eben seit der Moderne hochkarätige Konkurrenten im Geschäft der Sinnstiftung, die Kunst zum Beispiel. Dass Barth diese Punkte nicht ausspart, sondern sich gerade hier abarbeitet, macht seine liberale Religionstheorie für den Rezensenten umso stärker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.05.2003

Die Aufsätze von Ulrich Barth gehören Friedemann Voigt zufolge "zu dem Anregendsten, das in den letzten Jahren zur Religionstheorie erschienen ist". Der Hallenser Theologe begründe einen, wenn nicht exklusiven, so doch privilegierten Zugriff der Religion auf die "Sinngebung" menschlicher Existenz, die sich gegenüber beispielsweise der ästhetischen Erfahrung - die laut Barth in "ästhetische Selbstvergessenheit" münde - durch eine "bewusste Entschlüsselung der Tiefendimension des Lebensvollzuges" auszeichne. Eine wichtige Frage, die hier unbeantwortet bleibe, sei aber, so der Rezensent, wie die Kluft zwischen dem brillant begründeten Sinnauftrag der Religion und "den unvollkommenen Formen religiösen Lebens" zu überbrücken sei: "Auch eine so imposante Religionstheorie, wie sie in Barths Aufsätzen skizziert ist, entkommt nicht der Frage, zu welcher Religion sie die Theorie bildet."

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