Anfang des Jahres 1474 verstarb der sechzehnjährige Alessandro Cinuzzi, Page am Hof des Papstneffen Girolamo Riario. Sein Freundeskreis führende Humanisten, Kurienbeamte und Künstler bedachte daraufhin den Jüngling mit zwei exzeptionellen Gedächtnis- und Liebesgaben: einer gedruckten Sammlung von Memorial- und Trostgedichten, der ersten in diesem Medium überhaupt, und der größten bis dato in Umlauf gebrachten Medaille. Ausgehend von der mikrohistorischen Analyse dieses erstaunlichen Falles zielt das vorliegende Buch auf die umfassenden Zusammenhänge, Funktionen und Bedeutungen von Kunstwerken und Schriften im Kontext von homosozialer Freundschaft, Geschenk-Austausch, (Toten- bzw. Freundes-) Gedächtnis sowie forcierter humanistischer Gelehrsamkeit und Geistesarbeit vier für die Kultur der Frühen Neuzeit zentrale Bereiche, deren vielschichtiges Zusammenspiel mit den Bildkünsten erst ansatzweise erschlossen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2009
Christine Tauber hat einiges gelernt beim Lesen dieses Buches von Ulrich Pfisterer. Über die Frühgeschichte der Medaille etwa innerhalb der frühneuzeitlichen Geschenkkultur, über ihre Rolle als Unterpfand von Freundschaft und Liebe unter Männern. Dass Pfisterer dabei sowohl kühl analytisch und quellen- und materialkundig, als auch saftigste erotische Stellen zitierend zu Werke geht, macht Tauber richtig Freude. Mit dem Begriff "homosozial" für die in den Blick genommenen Freundschaftsbünde in römischen Humanistenkreisen, meint Tauber, schafft der Autor gar einen klug sich gegen "homophil" und "homoerotisch" abgrenzenden Terminus.
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