Merken Sie, wie Sie unwillkürlich lächeln, wenn Sie jemand anlächelt, wie Sie schlechte Laune erfasst, wenn Ihnen ein mürrisches Gesicht entgegenblickt? Nichts prägt unser Fühlen und Erleben so sehr wie die Emotionen anderer. Wir Menschen haben eine erstaunliche Fähigkeit, die Gefühle anderer zu lesen, uns in sie hineinzuversetzen - und uns von ihnen anstecken zu lassen. Forschungen zeigen, dass unser Verhalten oft stärker vom emotionalen Umfeld bestimmt wird als von unseren eigenen Überzeugungen. Und das hat zum Teil dramatische Folgen. Ulrich Schnabel kartografiert die Gefühlslandschaft, durch die wir täglich navigieren, und beschreibt, wie wir zwischen der Sehnsucht nach stabilen Beziehungen und dem Wunsch nach Freiheit hin und her gerissen werden. Er entlarvt die emotionalen Fallen der Konsumgesellschaft, beschreibt die Mühen der modernen Liebe und berichtet von der "Gefühlsarbeit" und der emotionalen Erschöpfung speziell in sozialen Berufen. Zugleich zeigt er, wie wir uns gegen die emotionalen Zumutungen unserer Zeit wehren - ein starkes Plädoyer dafür, die Souveränität über die eigenen Gefühle zurückzuerobern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2015
Ulrich Schnabels neues Buch "Was kostet ein Lächeln" hebt sich von der üblichen Emotionsliteratur ab, vermerkt Rezensentin Manuela Lenzen erfreut. Die Analysen des Wissenschaftsjournalisten über die strategische Manipulation von Emotionen findet die Kritikerin erfrischend, den Blick des Autors auf den aktuellen Gefühls-Hype weitsichtig und klug. Lenzen lernt nicht nur, dass eine andauernde Emotionsoptimierung krank macht, sondern die stete Konzentration auf die eigenen Gefühle auch zu einer Entsolidarisierung der Gesellschaft führt. Kopfschüttelnd liest sie etwa von lächerlichen Teambuilding-Veranstaltungen, vor allem aber folgt sie interessiert Schnabels Überblick über den Stand der Emotionsforschung, den er mit Therapeuten-Gesprächen und Erfahrungsberichten auflockert.
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