Wilhelm Uhde, der großbürgerliche Preuße, und Séraphine, eine einfache Französin, die von den Bewohnern ihres Dorfes verspottet und von den Kindern mit Dreck und Steinen beworfen wird, trennen Welten. Und doch hat das Schicksal sie zusammengeführt: den sensiblen Kunstsammler und seine tiefgläubige Putzfrau, die Bilder malt, seit ihr ein Engel des Herrn erschien. Viele Jahre und zwei Weltkriege später wird beider Leben verfilmt. Der Schauspieler, der im Film Uhde verkörpert, macht dabei eine seltsame Entdeckung, die ihn unversehens in den phantastischen Kosmos der Séraphine de Senlis katapultiert: in ein Leben hinter den Bildern und Gobelins eines vergessenen Schlosses der Picardie.
Am liebsten in die Schatulle legen würde Corinna Stegemann dieses "Schmuckstück" von einem Buch, das als Samtedition schon rein äußerlich an vergangene Zeiten erinnert. Auch die Geschichte selbst - die von den Dreharbeiten von Tukurs Film "Séraphine" lediglich ihren Ausgang nimmt, aber schon bald ins Phantastische gleitet - zieht durch die Vergangenheit: Eine ans Surreale grenzende Schauergeschichte im Stil von E.T.A. Hoffmann oder auch Edgar Allan Poe sieht die Kritikerin hier vorliegen, unheimliches Schloss inklusive. Auch orientiert sich Tukur am Duktus vergangener Zeiten, wobei ihm das Kunststück gelingt, dass seine Sprache "niemals verstaubt" wirkt, erklärt die Kritikerin, die dieses "durchweg spannende" Buch nur empfehlen kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2013
Wenn Christine Dössel an "Die Spieluhr" von Ulrich Tukur irgendetwas aussetzen müsste, es wäre die Tatsache, dass sie der langen Liste der Talente Tukurs nun auch noch das Schreiben hinzufügen müsste. Die Novelle hat etwas altmodisches, findet die Rezensentin, sie erinnert sie an die Schauerromantiks Poes oder E. T. A. Hoffmanns - auch sprachlich, ohne dabei manieriert zu wirken, lobt Dössel. Tukur erzählt die fantastische Geschichte eine Filmdrehs in Frankreich, bei dem einer der Darsteller den verborgenen Zugang zu einer anderen Welt entdeckt: in ein magisches Schloss mit merkwürdigen Bewohnern, fasst die Rezensentin zusammen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2013
Nicht alle Tage liest Alexander Kosenina dergleichen. Von Kitsch keine Spur in dieser Novelle des Schauspielers Ulrich Tukur, scheint er uns zu versichern. Doch was Kosenina über verwunschene Schlösser, adeliges Personal und die hier als Melange aus dem Drehbuch zu Martin Provosts Film von 2008 und den Fakten dargebotene Geschichte um ein Malertalent in der Picardie im speziellen und über die Ununterscheidbarkeit von Wirklichkeit und Traum im allgemeinen berichtet, schmeckt doch recht süßlich. Dem Rezensenten aber hat es gut gefallen - als fantastische Erzählung und als Schule des Sehens.
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